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sammeln, und nicht die Hälfte seines "Wissens hätte er sich angeeignet,wenn er nicht bei Zeiten mit Professor Kästner bekannt geworden wäre.Philosophie und Experimental-Physik hörte er bei Professor Win ekler, beidem er auch noch andere. Collegia besuchte. Bei Professor Heinsius, einemvorzüglichen Lehrer, widmete er sich mit grossem Eifer der Arithmetik,Astronomie und Algebra, und mit Dr. Ludwig ging er öfter botanisiren.Bei Professor Gottsched hörte er poetische und oratorische Collegia undhatte mit ihm auch bisweilen freundschaftliche Besprechungen.
Im Disputiren übte er sich bei Professor Gottsched, bei Chladenius(der später in Erlangen ordentlicher Professor der Theologie war) und be-sonders bei Professor Kästner. Um auch in der Rechtswissenschaft nichtganz unerfahren zu sein, besuchte er die Vorlesung »Institutiones Juriset Jus criminale« von Dr. Mencken, später Professor in Helmstädt. Chemiehörte er in den Vorlesungen von Dr. Hundertmarek und Dr. Böhmer. Aus-serdem besuchte er noch weit mehr Vorlesungen bei vielen Leipziger Profes-soren und Magistern, aber es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuzählen.
Einige Jahre später begann er verschiedene Naturalien aus allen dreiReichen (Thiene, Pflanzen und Mineralien) zu sammeln und unternahm zuverschiedenen Zeiten zur Vermehrung seiner Naturaliensammlungen Reisenvon einigen Tagen von Leipzig aus an benachbarte Orte.
Im Jahre 1748 reiste er nach Berlin zur Beobachtung der aufden 25. Juli fallenden grossen ringförmigen Sonnenfinsterniss. Er beobach-tete sie bei dem König! Preuss. Hofrath von Do bris low in dessen Gartendurch ein diesem gehöriges 8 Fuss langes Newton'sches Rohr. Die 14 Tagespäter stadtfindende Mondfinsterniss*) beobachtete er mit dem Berliner König!Astronom Professor Kies im astronomischen Observatorium. In die Gunstund Freundschaft dieses Mannes, sowie des fast in der ganzen Welt be-rühmten Professors Euler führte er sich leicht und schnell ein, und dieseberühmten Duumvirn des wissenschaftlichen Berlins waren hauptsächlichder Grund, dass Mylius neun volle Wochen dort verweilte und sich vor-nahm, für die Zukunft seinen dauernden Wohnsitz in Berlin zu nehmen.
Nachdem er im Anfang des Oktober 1748 auf die UniversitätLeipzig zurückgekehrt war, erhielt er bald darauf einen Brief aus Berlin,in dem seine schleunige Rückkehr nach Berlin zur Ausführung eines ge-wissen Vorhabens verlangt wurde. Sofort entschied er sich für die Rück-kehr und bereits am 6. November 1748 ging er wieder nach Berlin, woer als Privatmann ohne ein öffentliches Amt und als Candidat der Me-dicin bei hinlänglichem Unterhalt lebte.
Seine Unterhaltung in Berlin bestand hauptsächlich in dem Um-gang mit einigen berühmten Mitgliedern der Kg! Akademie der Wissen-schaften und der Berliner Universität, in astronomischen Beobachtungen,dem häufigen Besuch der botanischen Gärten Berlins, und zwar hauptsäch-lich des Kraus'schen, sowie in Beschäftigungen, die sich auf die Physikund Mathematik erstreckten. — Soweit die Selbstbiographie von Christi obMylius. — In Berlin stand er unter anderem in regem Verkehr mit
*) Ueber diese Mondfinsterniss befindete sich ein ausführlicher Aufsatz von ChristlobMylius in Theil 58 des litterarisch-physikalischen Tagebuchs, das er unter dem Titel „Der Natur-forscher" herausgab.