Name und Ursprung
der Mylius.
S^ie Entstehung des Namens »Mylius« fällt in die Zeit bald nachder Reformation, also in die Mitte des 16. Jahrhunderts, als es inden Kreisen der Gelehrten ganz allgemein Sitte wurde, den deut-schen Familiennamen in's Lateinische oder Griechische zu übersetzen oder ihmdoch wenigstens eine lateinische Endung anzuhängen. Es war diese Umwand-lung zum Theil in jener Zeit, als das Lateinische und Griechische noch die ziem-lich ausschliessliche Umgangs- und Schriftsprache der Gelehrten bildete,gewissermassen ein Bedtirfniss. Einen hervorragenden Antheil an der Weiter-verbreitung dieser Mode scheinen die Universitätsbehörden gehabt zu haben,insofern bei der Einschreibung der jungen Studenten in die Matrikeln anStelle ihrer deutschen Familiennamen vielfach die lateinischen und griechi-schen gesetzt wurden. In dieser Beziehung ist eine kleine Episode interessant,die sich an der Universität Heidelberg abspielte, und die Gross in seiner »Ju-belprediger-Historie« Bd. I, S. 2!)0 vorführt. Es heisst dort von dem refor-mirten Theologen Dr. Pellicanus, geb. den S.Jan. 14-78 in Rufach, gest. den5. April 1556 in Zürich, dessen Familienname eigentlich »Kürschner« war:»Er hat aber seinen Namen nicht vor sich selbst geändert, sondern als ersich mit dem Namen »Kürschner« in die Matrikel zu Heidelberg ein-schreiben wollte, so sprach Jodocus Galliens zu ihm: Weil er kein Kürsch-ner werden wolle und keines Kürschners Sohn sei, so solle er »Pellicanus«heissen!« So wurde denn aus einem »Kürschner« ein »Pellicanus«, undebenso aus einem Schulz ein Scultetus oder ein »Prätorius«, aus einem»Schmidt« ein Faber , einem > Bäcker« ein Pistorius«, einem Neu-mann ein >Neander und aus einem Müller« oder :Möller ein Mylius...Mylius« ist der griechische Ausdruck: Für »MüllerOutttipMühle,- lAvhog.-Müller), und es biessen also die Vorfahren allerMylius ehemals Müller, rvobei dem Verfasser nur zwei Ausnahmen be-kannt sind, insofern 1) die Vorfahren des Geschlechts der Freiherrn vonMylius (Köln) bis in's 14. Jahrhundert zurück urkundlich als »Myle«, nieaber als »Müller« vorkommen, und 2) die Vorfahren des Rektors MartinMylius (s. Anhang) in Görlitz (1542 bis 1611) urkundlich nicht Müller, sondern»Mühl« Messen. Jedoch veränderten — was allerdings hier von geringeremInteresse ist — die damaligen »Müller« ihren Namen nicht ausschliesslich in»Mylius«, sondern sie wählten häufig auch andere Latinisirnngen und Gräcisi-rungen, so z. B. Molitor, Molinarius, Molanus, Molinaeus, Mylonius, Mylaeus
usw., die zum Theil ja mich heute noch als Familiennamen existiren. Der NameMylius kommt vor ro50 nur äusserst selten, von 1550 bis 1570 häufiger am
häufigsten zwischen 1570 bis 1600 vor, während Verfasser vor dem Jahre 1500