Sechzehn Geburtsanzeigen folgen sich, die letzte vom Jahre 1770:
„1770 d, 12ten Rlärtz Rlorgends um 6 Ilhr ist mein 8ter Sohn gebohren, den loten ejusckemgctaufft und ihm der Nähme Christian Friedrich Julius beygelcget worden. Die Taufpathen sind,1. Fräulein Caroline Friderica des Rönigl. preußischen Chur-Brandcnburgisch. geHein,bden TribunalsRath und bey dermahlig Ca,inner Gerichts Visitation Gesandten v. Rcuther tilia. 2. Fräul.Julian« Clisabetha Rlargaretha Sybilla, des Weyl. Hochfürstl. Hess. Cassellischcn Gehei,„bden RathHr. von Hein tilia, 3. Hr. Christian Frhr. v. Illnienstcin, Rönigl. Großbrittanischer Chur Braun-schweig Lüneburgischer wirkl. Hofrath zu Celle. 4. Hr. Christian Wilhelm Böhmer, Rönigl.preußischer Chur Brandenburgischer ReAulions-Socrelarius alhier. 5. Hr. Ioh. Friedrich WilhelmGotter Hertzogl. Gothaischer Gehciinbdcr Archivarius. D. B."
An, Rande schreibt der Vater:
„f Seelig d. 25ten Iuny 1771 vormittags zwischen 10 und 11 Ahr das liebe und schöne Rind."
Auch bei mehreren der früheren Rinder ist von des Vaters Hand der Todestag an, Randeverzeichnet und mahnt an die Schwierigkeit, eine so zahlreiche Rinderschaar glücklich groß zu ziehen.
Die vornehme pathenschaft des achten Sohnes bezeugt hingegen, welche Beziehungen den, HerrnAmtmann nahe standen und daß sein häusliches Glück wohl den Gipfelpunkt erreicht hatte. Am so leb-hafter ist die Theilnahme, mit welcher wir die nächste Aufzeichnung in den, Familientagebuche lesen:
„1771 den 13 Rlartz Abends zwischen 11 und 12 Ahr starb eines recht sanft und Seel. Todtesmeine herzlich geliebte Frau Rlagdalena Crnestina weil, des Hochfürstl. Hess. Darn,städtischen Rlajorund Commandant Hiesig. Hochs. Garnison Feyler und Charlotte Dorotheea einer gebohrnenRlumppin ehel. Tochter. Sie war gebohren 1731 d. 23t. R7ay und hat also ihr 40tes Jahr nichtvöllig erreichet, d. 14. Octob. 1770 wurde sie von einen, heftig. Brustfieber befallen, welches einGeschwür in der Lunge verursachet, woraus endlich eine Auszehrung entstanden.
Sie ruhet nun Seel. in Herrn."
Die schlichten Worte dieser Eintragung lassen wenig ermessen, was der Amtmann Bufs und
dessen Familie in einer Frau verloren, der noch zwei Jahre vorher ein Vetter^") begeistert zugesungen:
Noch prangt Dein Antlitz mit des Sommers JugendSo, wie Dein Hertz mit himmlisch hoher Tugend;
Du zeigst, was Menschen Lieb uud Freundschaft istUnd daß Du stets der Schmuck der Frauen bist. —
Indessen lebt der verewigten das schönste Zeugniß aus der Feder des nachmaligen Gatten von derenTochter Charlotte, mitgetheilt in der von „Lottens" vierten, Sohne, den, Rönigl. Hannoverschen Legations-rathe Herrn A. Restner, veröffentlichten Briefsammlung „Goethe und Werther." ^) Den Schluß besagtenBuches bildet unter Nr. 142 das Bruchstück eines Schreibens von Ioh. Christ. Restner an Hennings,dessen Datirung offenbar „ach ungenauer Runde von, Herausgeber aus „Wetzlar 1770 vermuthlich in,Herbst" gestellt wurde; in diesen, Schriftstücke heißt es wörtlich:
,,^ch habe Ihnen schon vor einigen Iahren eine Beschreibung der Familie meines Rlädgcns ^)gen,acht. Sie erinnern sich noch, daß ihre Nlutter eine Hauptperson darin war; ich sage war,denn ach! sie ist es nicht mehr. Ich glaube Ihnen gesagt zu haben, daß sie die beste Frau, diebeste Rlutter und das vollkommenste weibliche Geschöpf war, das ich kenne. Sanft ihrCharakter, weich, gefühlvoll ihr Herz, zugleich munter und heiter. (Ich zähle ihre Eigenschaftenher, wie sie nur einsallen.) In ihrer Jugend war sie eine Schönheit und noch an, 40sten Jahr,nachdem sie 14 oder 15 Rinder gehabt, versah man sie zu Zeiten für eine ihrer Töchter. IhreRtiene war einnehmend und ganz Bescheidenheit, sittsam und jungfräulich. Sie erröthete noch wie
°°) Trust Christoph Dreslcr ( s. Wilh. Herbst „Goethe in Wetzlar," peZ. 102 u. 107).
") „ Goethe und Werther." Briefe Goethes, meistens ans seiner Jugendzeit, mit erläuternden Dokumenten.Stuttg. u. Tiib. Z. G. Cottascher Verlag. 1854.
) „Illädgen" wird in Siiddeutschland in, volksnmnde in der Bedeutung von „Braut" angewendet.