Hicht leicht wurde vielleicht der lebhaften süddeutschen, dein ernsten Manne aus Hannover dieHand zu reichen, „zumal er einen so wenig schönen Titel sRammersekretär) führte." Daß schon die ältereSchwester mit dem Professor !> mecl, Th, Restner vermählt war, hat wohl diese zweite VerbindungLippert-Restncr mit befördern helfen.
Nnd wie glücklich ist der Ghebund ausgefallen, in einem langen Leben hat er sich bewährt,54 Jahre lang. Zuerst das Frankfurter Idiom. Ja, das mußte in dein formenstrengen Hannoverabgelegt werden, und es ist der teuern Großmutter gelungen, wenn auch so manche kleine FrankfurterWendung ihr blieb bis zum Ende.
Wenn aber dem fest gegründeten Hause Restner noch neben dein Ansehn das Behagliche, Wohnlichegegeben werden sollte, so war niemand dazu geeigneter, als diese junge Frau. Mit ihrem warmenHerzen, ihrem freundlichen Sinn, ihrer reizenden Gabe zu unterhalten und allem Interesse entgegen-zubringen. Niemand aber liebte das Rätchen mehr, als die Mutter des Mannes, die wohl selbst in dersüddeutschen Art und Lebhaftigkeit an die eigene frohe Jugendzeit in Wetzlar sich erinnert fühlte.
Gin wirklich glückliches Leben führten die so vereinten in den behaglichen althannoverscheuVerhältnissen im Winter in der Stadtwohnung, im Sommer auf dein behaglichen Garten vor den Toren.Goch auch ihnen hatte das Schicksal ernste Stunden beschert. Der Verlust teurer, schöner Rinder ist nieganz überwunden worden. Um so inniger gestaltete sich das Verhältnis der Gltern zu den ihnengebliebenen, einem Sohn und einer Tochter. Zu den eigenen Rindern kamen im Laufe der Jahre insHaus ein Fräulein Mathilde Appuhn, die später den Ronsistorialrat und Generalsuperintendentcn Rüster /zuletztin Stade) heiratete, und die früh verwaisten Rinder eines Bruders der Großmutter, Rarl und Marie Lippertaus Frankfurt. Der Sohn Rarl entschied sich für den Soldatenstand. Der Onkel riet ihm zum Gintrittin das preußische Heer, sah wohl der erfahrene Manu schon damals trotz zeitweise unglücklicher,schwächlicher Regierung in dem aufstrebenden Staate den Halt und Rern Deutschlands? Doch der jungeSohn der freien Reichsstadt fühlte sich mehr nach Österreich hingezogen. Aus seinen: eigenen Mundehabe ich dies oft gehört. Die alten, stolzen Reiterregimenter, ihre ununterbrochene lange und ehrenvollekriegerische Vergangenheit, ihre glänzenden Uniformen, das Leben im Süden mit all seiner Anziehungs-kraft, noch ein Stück Romantik, waren für den wohlhabenden Jüngling entscheidend. Auch fielen vonder Sonne Radetzkys Strahlen des Glanzes auf dieses Heer, während die erbärmlichen politischenVerhältnisse in Preußen /1848) nur abschreckend wirkten. So trat er denn in das österreichische8. Rürassicrregiment Graf Ignaz Hardegg, dann Graf Rarl Auersperg und seit 19. Dezember 1848Prinz Rarl von Preußen, die alten berühmten Dampierre-Rürassierc.^) Schon 1843/49 stand er imFelde und focht in: Rriege gegen die aufständischen Ungarn, in Zeiten, die das Raiserreich erschüttertenbis ins Mark. Oen: Frieden folgten schöne und sonnige Jahre in Osterreich und der BundesfestungMainz. Dort verband ihn treue Freundschaft mit preußischen Rameraden, mit denen die Waffen zukreuzen ihn: vorbehalten war in: Rriege des Jahres 18L6. Die Schlacht bei Röniggrätz und das Reiter-ei Dieses älteste Reiter-Regiment des K. und K. Heeres, errichtet 1617, jetzt Dragoner-Regiment Nr. 8 GraflUontecnccoli, focht in allen großen Schlachten des dreißigjährigen Krieges, des siebenjährigen, in den Kämpfen gegenNapoleon, gegen Türken, Ungarn nnd schließlich 1866 gegen Preußen. Gctavio piccolomini stand als Rittmeister imRegiment, Johann von Werth war sein Thef nnd das Briidcrpaar der Grafen Dampierre nacheinander, es war ein Teilvon Pappenhcims Kürassieren. Zahllos ist die Reihe glänzender Namen der österreichischen Kriegsgeschichte, die dnrch seineListen ziehen. Welche Anziehungskraft mußte solch' ein altes herrliches Regiment mit seiner großen Vergangenheit auf dieJugend ausüben! Hinzukam, daß Bsterrcich keine Garden kannte, daß von nnscrn rückständigen Gebräuchen, für den Adelgewisse Regimenter zn reservieren, in Österreich nie die Rede war. Können überhaupt die häufigen Adelsverlcihungenunserer Tage vor der Kritik bestehen? Sie entwerten jedenfalls diese Art der Dekoration. Und doch kann man es einemVater kann: verdenken bei sotanen Zuständen, dessen Söhne für bestimmte Regimenter Neigung haben, zu fragen, was kostetdie Geschichte, meinen Sohn, den Abkömmling eines uralten Bürgcrgcschlcchtes durch das Wörtchen „von" für solch' einRegiment zurechtzustutzen, in dem vielleicht er selbst oder der Großvater noch ohne Adel ganz vergnügt gedient haben. Leiderist Gstcrreich kein aufstrebender Staat, und die Neigung, in österreichische Kriegsdienste zn gehen, hat wohl sehr abgenommen.Siehe auch E. Freiherr von Tomaschek, Geschichte des K. K. Dragoner-Regiments Nr. 8, Wien 1889. Die Uniformen derverschiedenen Zeiten siehe Knötel, Uuiform-Knnde V. 36 und IV. 1.