Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
111
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III

Kestner-Lippert.

Die teuern Großeltern, der Geheime Kammerrat Herruanu Kestuer und seine Gattin KatharmesKätchen) geb. Lippertaus Frankfurt a. Main, haben in meinem und meiner Geschwister Leben einegroße Rolle gespielt. Sie waren uns der Inbegriff alles Guten und Edlen, erschienen uns als Wesenaus einer bessern Welt. Tadellos in Haltung und Kleiduug bis zum Tode im hohen Alter, vernahmman nie aus ihren: Munde ein absprechendes, tadelndes Wort über den Mitmenschen, nie eine erregte,heftige Rede. Würdig, voll Güte, wohltuend, helfend, voll Interesse für ihre Umgebung, genossen sieVerehrung und Ansehn nicht nur in ihrer Familie, sondern auch in den: großen Kreise der Jungen undAlten, die ihr gastfreies Haus besuchten, mit ihnen verkehrten, bis an das Ende ihrer Tage.

Dieses herrliche paar guter, edler Menschen hat trotz der hohen Jahre, die ihn: ein günstigesSchicksal gewährte, nie die Einsamkeit des Alters kennen gelernt, kann: seine Beschwerden, wenn auchSohn und Tochter nicht mit ihnen an einen: Orte lebten.

Und doch waren beide grundverschieden. Der Großvater, von den: die eigene Mutter in irgend-einen: ihrer Briefe sagt: Hermann gehört zu denen Sterblichen, welche immer die guten Lose in: Lebenziehen, hatte trotz seiner großen Geschwisterschar ein glückliches, sorgenloses, auch von äußern Glücksgüternreich ausgestattetes Leben geführt dadurch, daß sein pathe, der Geh. Kammerrat Hermann Flebbe^) zuHannover, ihn an Kindesstatt annahn: und ihn zun: Erben ") einsetzte. So war den: jungen Manne,der neben der Berufstätigkeit ein großes Interesse hegte für Kunst und Wissenschaft, eine reiche Gelegenheitgeboten, auch diesen Liebhabereien, die das Leben verschönen, gerecht zu werden.

Sein Ordnungssinn, seine edle Denkungsart, sein vornehmer Sinn wurden ihm Veranlassung, daßer die frühe Unabhängigkeit nur in der besten Richtung ausnützte und genoß. Seine Karriere, die sichfrüh in gesicherter Bahn bewegte und ihn zu angesehener Stellung gelangen ließ, gab ihm die bestenBeziehungen und der Verkehr auf der Menschheit Höhen, die Art des Mannes, der nur gewohnt ist, sichin ersten Kreisen zu bewegen. So war er etwas reserviert in Haltung und Sprache. Seine großeSicherheit in: Verkehr, seine feinen Formen, seine Sprache, seine Beherrschung verschiedener Sprachenließen innner den Mann erkennen, bewußt sich seiner Stellung in: Leben, gewohnt, Achtung entgegen-zunehmen. Innner gelang es ihm, in der Unterhaltung derselben die Richtung zu geben, die ihn: erwünschtschien, dabei hatte der Verkehr mit ihn: für niemanden etwas Bedrückendes. Aus dem langen, reichen Leben,das hinter ihn: lag, seinen vielen Interessen, der Bekanntschaft mit vielen ausgezeichneten Männern, warenseine Mitteilungen unterhaltend und anregend; der Verkehr mit ihm interessant und zugleich erhebend.

Die Großmutter, eine Süddeutsche aus Frankfurt a. Main, hatte nicht die glückliche, sorgenloseJugend durchlebt wie ihr Gatte. Eine zarte Mutter, ein energischer, überaus tatkräftiger Vater, dessenVerdienste in der Betätigung eines auf die Praxis gerichteten Lebens wurzelten, der nicht immer einVerständnis hatte für die Neigungen seiner Gattin, hatten wohl nicht immer nur Sonnenschein gebrachtder reichen Kinderschar. Als dann die Mutter kränkelte und starb, war das Verhältnis zun: Vater nichtgerade innig. Schwere Zeiten hatte das Haus Lippert erlebt in den Kriegen des ersten Napoleon, durchTodesfälle und wohl auch geschäftliche Erschütterungen, wenn auch die Energie und das Geschick desVaters seine Familie sicher leitete und nach allen Stürmen zu sichern:, ja glänzenden: Ende führte.

6) Leinen Brdcn, Aommandeurkreuz des Guelfcnordens, übergab ich dein vaterländischen Museum zu Hannover.

°) Bilder aus der Blüte ihrer Jahre finden sich: H. «. Eggers, Stammtafeln der Eggersschcn Familicnstiftungzn Halberstadt am Harz nebst Mitteilungen, Familicnbildern und einer Wappentafel. Lübeck 1904. (Nicht in der Familieverbreitet, aber auf allen großen Bibliotheken.) Dort finden sich auch Angaben über die Uestnersche Familicnstiftung zuHannover. Andere Bilder der Familie Aestner erscheinen im Bd. 13 des Genealogischen Taschenbuchs bürgerlicherFamilien, zugleich mit einem Neuabdruck der Ucstnerschen Genealogie.

Archiv des Vereins für die Geschichte des Herzogtums Lauenburg Band 3 Hest 1 S. 21 nennt einen AmtmannFlebbe zu Ncuhaus 1722.

") Das große Flcbbcsche Haus, meinem Großvater vermacht, von ihn, bewohnt, dann verkauft, steht nochIII. Wallstraße Nr. 2 in Hannover.

Friedrichstraße Nr. 3