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bewährter Freund A. von Linsingen, in der Familiengeschichte oft genannt, im Sonnner 1901 die 81.Infanterie-Brigade hier in Lübeck bekam. Wir hatten also die Freude, mit ihm und seiner Familie biszu seiner Versetzung nach Ulm als Divisions-Kommandeur vier Jahre hindurch zusammen zu sein. Wenndie ohnehin nicht große Zahl der Jugendfreunde in betrübender Weise zusammenschmilzt, so werden dieÜberlebenden immer teurer. Mit den Freunden sinken ins Grab die Zeugen gemeinsam verlebterJahre. Daher ist diese Lücke oft größer als selbst bei dein Verluste von Geschwistern. Bcrufsgenossen,Fcldzugs- und Regimentskameraden, in langen Iahren hielt man sich Treue und gab sich Zeichen derAnhänglichkeit und Zuneigung. Kommandeur des Landwehrbezirks Lübeck bin ich nicht ganz 5Vs Jahregewesen. Der Bezirk umfaßt das Gebiet der Freien und Hansestadt Lübeck und das Herzogtum Lauenburg.Gr ist durch seine Lage, seine Verhältnisse und seine Bevölkerung ein sehr günstig zusammengesetzter Bezirk.Am 18. April 1903 erhielt ich den Tharakter als Oberstleutnant, zum Ordensfest 1906 den Kronen-ordcn IIb Klasse und am 9. April desselben Jahres wurde mir in Genehmigung meines Gesuches derAbschied bewilligt mit Pension*") und der Uniform des Infanterie-Regiments Bremen*") sl. Hanseatischen)Nr. 75. Um diese Uniform hatte ich gebeten, da der größere Teil meiner Dienstlaufbahn in diesen,Regiment verlief. Die schwere Dienstbeschädigung in, Jahre 1889 mit all ihren Komplikationen hattesich im Laufe der Jahre sehr unangenehm bemerkbar gen,acht und zwang mich zu allerlei Kuren an,Orte und außerhalb desselben. Ich war 1903 und 1904 in Teplitz, 1905 in Wiesbaden und Töplitz,1906 in Pyrmont. Solche Badekuren sind sehr langweilig durch die Schematisierung des Tages, auchangreifend. Ich verband mit ihnen dann wenigstens noch kleinere und größere Reisen, nach den, Süden,nach Ulitteldeutschland und Österreich. Wenn man inmitten ausgedehnter und weitverzweigter Familien-Beziehungen und -Verbindungen steht, so daß es nur vor Jahren ein leichtes war, in einer genealogischenSkizze*") durch die Gsmarch die Beziehungen zu führen zu den Herzogen von Schleswig-Holstein und zuden Hohenzollern, durch die Stakemann zu Wellington und durch die Bufs zu Sollns und Welsen, durchdie Sparre zu den alten nordischen Geschlechtern der Bonde, Bjelke, Sture, Wasa und Oxenstierna, so ist esnur zu natürlich, daß man auf Reisen überall Beziehungen und Spuren trifft der vorfahren und ihrerSippen in Städten und Burgen, auf Schlachtfeldern und Kirchhöfen, in Museen und Sammlungen. Ichrede nicht von Niedersachsen, Dänemark, Schweden, von Frankfurt a. AI. und Weimar und Jena, auchnicht von Wetzlar, wo mich die Erinnerungen an die vorfahren auf Schritt und Tritt umgaben,*") abervon Leipzig, Dresden, Königstein, den, Schlachtfeld von Leipzig und den, Denkmal der Völkerschlacht, Orte,in denen vorfahren lebten, studierten, die sie als Soldaten betraten, wo sie auf den Kirchhöfen ruhen.Nürnberg, München, Speyer, die alte Feste Pappenheim bei Treuchtlingen, Prag, Karlsbad, Straßburgin, Glsaß, kein Ort, der mir nicht ins Gedächtnis zurückrief die Beziehung auf irgendein Mitglied derFamilie, wiederholte Beziehungen in, Laufe der Generationen, und diese Beziehungen haben mich stetsgelockt. München mit seinen ungezählten Schätzen barg in der Alten Pinakothek für mich ein wahresKabinetstück: Adams, des alten VoyaZe p>ittores<zue et milituire. Was ein beweglicher, begnadeter Künstlermit den, Stift auf den, Papier festhielt in Skizzenforn, aus dem intimen Leben der Großen Armee inRußland, das zeigen diese 101 lithographierten Blätter. Wie vieles erinnert an unsere Kriegs- undManöverbilder, und doch eine andere Zeit, andere Männer. Ich sah aber in, Geiste inmitten dieserSchlachten, Flußübergänge, auf diesen Schneefeldern, in diesen Tannendickichten und russischen Bauernhäusern
") Das neue Pensionsgesetz von, 1. Juli 1966 läßt schon mit 35 Iahren die Höchstpension erwerben. Ich diente36 Jahre und hatte außerdem zwei Kriegsjahrc für 1876/71, also im ganzen 38 Jahre zur Verfügung.
Die hanseatischen Regimenter erhielten die Namen ihrer Städte nach dem Manöver 1365.
Siehe viertcljahrsschrift des Herold, Jahrgang 1384, Heft I.
So sind die Zimmer im Deutschordens-Hausc und auch die Privatwohnung meines Urgroßvaters Kestncrnoch vollständig erhalten.
*ch Der Alten Pinakothek übergab ich den bekannten Stich nach der Zeichnung Thorwaldsens, den ersten Reichs-frciherrn T. U. D. von Eggers darstellend. Ebenso dem Kuxferstichkabinct der Knusthalle in Hamburg.