Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
58
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die Unteroffiziere der einen Kompagnie schlechter turnten als der drei andern, so ging es dein Bataillons-Kommandeur auch nicht gut. Das ist auch falsch, denn erstens soll der Bataillons-Kommandeur dieUnteroffiziere der einzelnen Kompagnien nicht im Turnen ausbilden, sondern der Kompagnie-Ehef, zweitensist es immer möglich, daß die eine Kompagnie alte Unteroffiziere hat, sonst vorzügliche Leute, die abernicht so gut turnen als die jüngern der andern Kompagnien. Nun das sind Fehler und Schwächen.Wer hat nicht solche? Auch war ein Unglück, daß es diesen. Manne ging, wie den Großen der Kronein, allgemeinen und denen in, speziellen, die Neuerungen einführen. Oft werden sie mißverstanden odernoch schlimmer, die Untergebenen suchen sie noch zu übertreffen in ihren Absonderlichkeiten, um ihnen zugefallen, In, hohen Maße war dieses auch in, zweiten Korps der Fall; besonders bei den, Kommandeurunserer, der vierten Division, aus welchen ich noch komme. Das hat der alte Kavallerist aber seinerInfanterie beigebracht: Reiten, Aufklären, Melden, in einer Vollendung, daß es in, Kaiser-Manöver Auf-sehen erregte, zumal mit Rücksicht auf den Mangel an Kavallerie dein, zweiten Korps durch Influenzaund Rotzkrankheit. In allen Kritiken war Langenbeck klar, kurz, nie verletzend, mit Würde und Trusttadelnd, mit einer gewissen Kargheit, aber doch auch freundlich und wohlwollend lobend. Das Wort:Vortrefflich stand doch in seinen, Register. Dieser Mann, der keiner Schmeichelei zugänglich war, sichschroff abwehrend verhielt gegen derartige Versuche, unterlag doch hier und da einer großen persönlichenEitelkeit, wenn er sah, wie einzelne so ganz mit Teil? und Seele die Seinen geworden waren. Diesengegenüber konnte er auch schwach sein. Ts gefiel ihm doch auch das Wort der Bibel: Denn Du sollstkeine Götter haben neben mir, wie es so recht kennzeichnet das Verhältnis der kommandierenden Generalezu ihren Untergebenen. Sein Privatleben war ausgezeichnet durch Ordnung, Regelmäßigkeit und nierastenden Fleiß. Sein gastfreies paus öffnete er viel und oft seinen Offizieren zu glänzenden Diners undgroßen Festlichkeiten; aber stets endeten diese früh, da er früh morgens im Sattel nicht liebte, die Nachtzun, Tage zu machen. Leider war er steif und frostig reserviert bei all diesen Veranstaltungen, so daßein rechtes Behagen nie aufkam in seinem pause, trotz der liebenswürdigen Gattin aus Osterreich, einerTdlen von Schuppler und der freundlichen Nichte. Tr glaubte sich diese Reserve schuldig zu sein, sich undseiner Stellung, unterschied sich dadurch leider sehr von den oben geschilderten perren des neunten Korps,auch von seinen Landsleuten, denn der pannoveraner ist von guten Formen, gewandt im Umgänge undin, eigenen pause ein stets angenehmer Wirt. Die vierte Division, in Bromberg, zu welcher das Infanterie-Regiment Nr. 148 gehörte, kommandierte schon längere Jahre ein General Abel, seit einigen Iahrenvon Abel. Wenn man einen so ausgesprochen biblischen Namen hat, so ist das ein Pech, beweist aberimmer noch nicht, daß der Träger ein pebräer ist oder von israelitischer Abkunft. Ich habe den Namenin Pommern oft gefunden. Der General war, soviel ich weiß, der Sohn eines Rechtsanwaltes inGraudenz und entstammte einem alten bürgerlichen Geschlecht der Altmark. Siehe genealogisches pandbuchbürgerlicher Familien Bd. 9. Unsere frommen Altvorderen gaben ihren Kindern gern biblische Namen,daher die Jacob, Abraham bei alten Geschlechtern, warum nicht auch ein Abel, der Unrecht litt, währendKain Unrecht tat. Aus den Vornamen entstanden die Familiennamen. Abel war ein sehr kluger Wann,hatte durch Fleiß und rastlosen Tifer alles erreicht und vom unbekannten Artillerie-Offizier in Stettin sichschließlich zum Generalleutnant und Divisions-Kommandeur emporgeschwungen. Leider gehörte er zu denUntergebenen, die den höheren Vorgesetzten ganz kopieren und ihn in seinen Eigenheiten noch zu übertreffenandauernd bestrebt sind. Ordnete Langenbeck vier Marschübungen pro Monat an, so kam gewiß vonBromberg die Weisung, deren acht zu machen. Manchmal hat gewiß bei Kritiken Langenbeck selbst sichinnerlich amüsiert über das Anpassungsvermögen seines Divisions-Kommandeurs, wenn dieser mit Langen-becks eigenen Worten die Vorzüglichkeit der neuen Verfügungen und Bestimmungen pries. Charakteristischsagte von ihm ein anderer General: Abel brauchte nur fünf Minuten, um langenbeckisch zu werde:,, ichbewundere diese Gewandtheit, besonders nach so langen Dienstjahren. In Bromberg war Abel bequem,in Stettin bemühte er sich, bei den Besichtigungen den Gedanken bei uns nicht aufkommen zu lassen: Derpinnnel ist hoch und der Zar ist weit. Eigentlich unnötig, denn den größeren Zaren hatten wir stets