Druckschrift 
2 (1887)
Entstehung
Seite
55
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Tage, als wir nach Herbault weiter marschirten.^ Gut, daß sie unser» deutschen Spott nicht verstanden,aber wir hatten Mühe, sie mitzubekommsu,. da sie eigentlich immer andere unaufschiebbare Geschäftevorhatten.

wir passirten Herbault und erreichten eine schöne Meierei St. Francav, die neben reichlicherVerpflegung vor allen warme Gebäude, mit Stroh angefüllt, uns bot. denn die Milte draußen warin diesen Tagen vor Weihnachten und zu Weihnachten selbst ganz bitterlich. Die Truppen saben zusener Zeit nicht parademäßig aus. Die Stiefel und Uniformen zerrissen oder stark geflickt, hie und dahatten Tivilhosen die vorschriftsmäßigen Beinkleider ersetzen müssen. Die Mäntel mit Brandstellenvon den Wachtfeuern, Tücher oder Shawls um Hals und Ohren, so zogen wir dahin. Doch warder Gesundheitszustand ein außerordentlich guter. Zu St. Francay feierten wir am 24. Weihnachtenin oft beschriebener und nach unser» Verhältnissen rührend einfacher weise. Diese Freude auf allenGesichtern, als aus der großen Diele der Meierei der Weihnachtsbaum angezündet wurde, der fürdie Verhältnisse wirklich sehr nett geputzt, war wirtlich erhebend und ist entschieden eine Tigenthüm-lichkeit des Deutschen mit seinem tiefen und reichen Gemüth. Unsere französischen wirthe wußtennicht, was sie zu dein Hocuspocus sagen sollten. Zch hatte eine besondere weihuachtsfreude, weilreichliche Briese aus der Heimath ankamen, auch erhielt ich ein Packet mit 2 sehr schönen vater-ländischen Mettwürsten. Dasselbe war schon nach Metz geschickt und hatte jetzt nach circa st» Wochenmich erreicht, wir waren eben zu schnell gewesen und hatten auch nicht immer den geradesten weggemacht. Unsere Post war ausgezeichnet. Ich glaube mit Bestimmtheit behaupten zu können, nachder Aufeinanderfolge der Daten, daß kein Brief an mich verloren ging und ebenso meine regelmäßigen,oft mit Bleistift angefertigten Schreiben sämmtlich den weg in die Heimath fanden. So schickte mirmein guter Vater mit Pelz gefütterte Handschuhe, die mir treue Dienste leisteten und die ich lange aufbe-wahrte, bis die Motten im Tlsaß sie verzehrten, in zwei getrennten Packeten. Zch erhielt einen Hand-schuh zur rechten Zeit, den andern 4 Wochen später. Hatte auch gar nicht anders erwartet, daß derzweite schon den ersten wiederfinden würde, wenngleich mein vertrauen in unsere Post manchmal demZweifel der Rameraden begegnete. Die Weihnachtstage, der 2ö. und 26., verliefen ruhig, wirwohnten dem Gottesdienste in Herbault bei und marschirten erst am 27. aus unserer gastlichen Fermeüber Herbault noch einmal nach Thäteau - Negnanlt. Unser Bataillon gehörte zu einer Abtheilnngaller Waffen, welche der General von Diringshofen nach genanntein Orte entsendete zur gründlichenZerstörung der von Tours dorthin führenden Tisenbahn. wir trieben eine schwache Abtheilung bisüber Auzouer hinaus, erledigten uns dann unseres Auftrages in der Nähe von villedomer »nd kehrtenam nächsten Tage nach Herbault zurück, wo wir den Befehl vorfanden, der auf Vendome in Marschgesetzten Brigade zu folgen. Am 2<). trafen wir wieder in vendöme ein.

Recognoscirungen der letzten Tage hatten nnserm Divisions - Tommandeur die Ueberzeugungverschafft, daß die Franzosen in erheblicher Stärke bei Azav Truppeinnassen angehäuft hatte». Früham Zs. December brachen wir gegen diese Abtheilungen auf. was den Gang des Gefechtes betrifft,so verweise ich aus das Generalstabswerk und bemerke mir, daß wir bei Beginn des Rampfes an derStraße nach Thäteau-Regnault standen, im weiteren verlaus, de» Nachmittagsstunden aus den südwestlichvendöme gelegenen Höhen, nach dem linken Flügel der Artillerie herangezogen wurden.

Die in dichten Schaaren heranstürmendeu Franzosen wurden durch das Feuer unserer Batterienvor allen zu eiliger Flucht gezwuugen. Dort sah ich auch zuerst die Spahis, welche im weißen Burnusmit deii dunklen Gesichtern ein malerisches Bild boten. Sie bedienten sich viel des Lassos und haben unsin den Tagen bei vendöme verschiedene Leute, die zurückgeblieben waren, abgefangen. Abends be-zogen wir Vorposten und suchten durch Patrouillen mit den abziehenden Feinden Fühlung zu halten.

So brach der Neujahrsmorgen s87s heran.

Nachmittags verließen wir unsere Stellung und rückten in vendöme ein, wo wir Ouartierebezogen. Am folgenden Tage erhielt ich die Führung einer Torporalschaft, der sp, unter Leitungeines alten und erprobten Sergeanten, Hecht mit Namen. Die erste Stufe iu der Ordnung militärischervorgesetzten hatte ich somit erreicht.