Am 19. Januar Nachmittags 2 ! / 2 Uhr griff der Feind, von Arnheim kommend,mit 3 Bataillonen und 2 Schwadronen die Posten bei Velp und Rozendaal gleichzeitigund mit solchem Ungestüm an, dass die Bataillone kaum zusammengezogen waren, alsschon die Piquets zurückgedrängt wurden. Scheither liess nun zwar die reitende Artillerievorrücken und mit Kartätschen feuern, allein die Infanterie räumte — etwas voreilig —Velp, weil der Feind die Husaren vertrieben hatte, und nun das Dorf auch in der rechtenFlanke attakirte.
In diesem Augenblicke gelang es dem Lieutenant und Ober - Adjutanten vonScheither, die Husaren wieder zu formiren und gegen den Feind zu führen, wodurchdie in Velp von der Flanke aus eingedrungenen Feinde nun ihrerseits tournirt und zumHalten und Umkehren veranlasst wurden.
Diesen Umstand benutzte der Rittmeister von Ende, welcher für den erkranktenOberstlieutenant von Seebach das Commando des 4. Cavallerie-Regiments führte undhinter dem Dorfe stand, zu einem Angriffe auf das Dorf selbst. Trolz der ungewöhnlichenArt der Verwendung der Reiterei und obgleich das Terrain ihm nur erlaubte, sich mit4 Mann in Front zu bewegen, so stürzte Ende sich dennoch mit der zweiten Schwadrondes Regiments, ohne zu zaudern und mit Ungestüm in das Dorf hinein.
Gleichzeitig umging auch der Cornet von Uslar, der mit 30 Pferden auf Feld-wache gewesen war und sich ebenfalls hatte zurückziehen müssen, beim Vorgehen derSchwadron, ohne Ordre zu erwarten, das Dorf links. Durch diesen kühnen, mit ausser-ordentlicher Bravour ausgeführten und auf den beiden Flanken wohl unterstütztenCavallerie - Angriff ward der Feind nicht nur aus dem Dorfe, sondern auch noch jenseitsdesselben aus den Gebüschen, Hohlwegen und Gräben, in welchen er sich zu setzenversuchte, trotz eines heftigen Musketenfeuers vertrieben und noch eine halbe Stundeverfolgt. Die Schwadron machte 30 Gefangene und hieb nach massigem Anschlage überG0 Feinde nieder, während der Verlust des 4. Cavallerie-Regiments bei dieser glänzendenAffaire nur 1 Gorporal und 2 Pferde todt, 2 Mann und 7 Pferde verwundet und 1 Manngefangen betrug.
Der General-Major von Scheither liess hierauf die innegehabte Position wiederbesetzen, zog sich jedoch am 20. in Folge höherer Befehle hinter die Yssel zurück. ')
Ueber die weitere Thätigkeit des Cornets v. U. und seines Regiments im fernerenVerlaufe des unglücklichen Feldzuges von 1795 liegen Nachrichten nicht vor. SeineErnennung zum Lieutenant in genanntem Rcgimente erfolgte laut Patent vom 26. April1795. 2 ) In dieser Stellung mag er der preussisch - hannoverschen Observations-Armeeangehört haben, welche von 1796—1801 im nordwestlichen Deutschland aufgestelltwurde, wenigstens wird sein Regiment dabei genannt. 3 )
Nach Auflösung der hannoverschen Armee im Jahre 1803 blieb Prem.-LieutenantHans inactiv, heirathete 1805 Sophia Elisabeth (geb. 31. März 1775, gest. 22. Septbr.1856), Tochter des Oberstlieutenants a. D. Cuno Albrecht Julius von Mandelsloh aufDüendorf und der Ernestine Elise geb. von Hitzacker und lebte meistens auf seinemGute in Wunstorf. 1813 betheiligte er sich eifrig an der Wiedererrichtung der hannover-schen Armee durch Werbung für das 1. freiwillige Cavallerie - Regiment (Cumberland-llusaren), führte auch die Depot-Schwadron dieses Regiments, nachdem er im Januar1814 zum Rittmeister und durch Patent vom 14. März d. J. zum Major in gedachtemRegimente befördert war. In diesem Range und als Commandant des Depots seinesRegiments sandte er am 2. Juli 1815 30 Pferde und am 12. Septbr. d. J. 1 Trompeter,2 Corporate und 35 Husaren mit 33 Pferden als Ersatz, sowie Material im Werthe vonmehr als 3000 Thlr. zum Regimente.
Nach dem Kriege diente er als Major im K. hannov. 2. Ulanen-Regimente,wurde mittelst Patents vom 20. Februar 1821 und mit Anciennetät vom 1. März 1817zum Oberstlieutenant im 1. Ulanen-Regimente und zu einer nicht bekannten Zeit —wahrscheinlich 1828 — zum Commandeur des 5. Regiments Königs-Ulanen ernannt.Am 17. Mai 1833 wurde er tit. Oberst, ging bei Reduction der Armee Ende Juni d. J.ab und zog nach Sennickerode.
Dieses Lehngut, welches nebst 4 / 6 Antheil an Sieboldshausen durch die massloseVerschwendung des Kammerjunkers Hans v. U. (s. oben Nr. 436) in Concurs gerathcn
1) v. Sichart, 1. c., IV, S. 564 u. ff. — 2 ) Oldekop u. Maneke, 1. c. — 3 ) v. Sichart, 1. c.,
IV, S. 053, G5S, 665, 670, 674, 681, 683, 687.