verfolgt von mehreren Reiterhaufen, welche Jagd auf ihn machten. So traf der Herzog,mit wenigen Begleitern vorauseilend, auf die, die Arrieregarde des hessischen Garcle-Grenadier-Regiments bildende Compagnie des Hauptmanns von Trott, welche an demlinken Ufer der Espierre unweit der vom Herzog gesuchten Brücke Stellung genommenhatte. Ohne den Zuruf der Grenadiere, dass die Brücke ganz in der Nähe sei, zubeachten, jagte er an der Compagnie vorbei, Officiere und Soldaten zum Ausharrenanfeuernd und reiche Belohnung im Fall seiner Rettung versprechend, durchwatete dentiefen Schlamm und das Wasser des Flüsschens zu Fuss, sein Pferd am Zügel nachführend,setzte sich jenseits desselben wieder auf und gelangte glücklich bei Leers in den Schutzder dort aufgestellten Oesterreicher.
Unterdessen hatte die 100 Mann starke Compagnie des Hauptmanns von Trott,bei welcher sich als Officiere der Prem. - Lieutenant von Buttlar, der See. - Lieutenantvon Uslar und der Fähnrich von Lossberg befanden, die herangekommenen Verfolgermit dem Bajonnet so energisch angegriffen, dass diese bestürzt nach Wattrelos zurückflohen. Doch bald fiel von allen Seiten eine unverhältnissmässige Uebermacht auf daskleine Häuflein ein, es ward seitwärts von der Brücke abgedrängt und musste dieEspierre durchwaten, wobei der Hauptmann von Trott fiel und mehr als ein Drittheilseiner Leute getödtet, verwundet oder gefangen wurde, indem das Gefecht zuletzt nurnoch in einem wilden Handgemenge bestand. *)
Ueber die grosse Bedeutung des Dienstes, welchen die kleine Hessenschaar ander Espierre dem britischen Königshause leistete, äussert sich von Ditfurth: 2 )
„Ein britischer Königssohn verdankte ihr die Freiheit, vielleicht das Leben, undselbst der siegesfrohe Feind gestand es ein, dass nur ihr Widerstand, den er nicht zubrechen vermocht, ihn gehindert habe, seinen Sieg zur vollkommenen Niederlage seinesGegners zu steigern. Wäre der Herzog und seine, meist den vornehmsten englischenFamilien angehörenden Begleiter in französische Gefangenschaft gefallen, so war es sehrwahrscheinlich, dass die damals Frankreich beherrschenden blutdürstigen revolutionairenMachthaber mit Freuden dazu geschritten wären, den Sohn des Königs von Englandnebst seinen Begleitern ebenso auf das Blutgerüst zu schicken, als sie es mit ihremeigenen Könige, mehreren Mitgliedern der königlichen Familie und unzähligen Personengemacht hatten, welche die revolutionairen Greuel verabscheuten. So verliessen diehessischen Grenadiere, allein unbesiegt, ihren verbündeten Kampfgenossen ein ehernesSchild, als die letzten das Schlachtfeld.".
Die so prahlerisch verheissene Belohnung des Herzogs bestand nachher nur in100 Pf. St., wovon für jeden betheiligten Officier 8% Guineen bestimmt waren. Dieseindess wiesen das Geldgeschenk eines fremden Fürsten mit Verachtung zurück-, siehätten nur ihre Schuldigkeit gethan, sagten sie, mehr nicht, das Geld gehöre denSoldaten. Erst im Jahre 1816 erhielten die Officiere von Buttlar, von Uslar undvon Lossberg auf Anregung S. K. Hoheit des Herzogs Adolf von Cambridge für dieseThat den Guelfen-Orden 3. Classe. 3 )
Nach Errichtung des Königreichs Westfalen trat der Hauptmann Ludwig v. U.mit Patent vom 4. März 1808 als Capitain 1. Classe in das 3. westfälische Linien-Infanterie-Regiment ein und machte als solcher von 1808 — 1814 den Feldzug in Spanienund namentlich die Belagerung und Erstürmung der Festung Gerona mit. NachWiederherstellung des Kurfürstenthums Hessen wurde er am 4. Januar 1814 Major im3. kurhessischen Landwehr-Regiment, am 17. Februar 1820 Major im Leibgarde-Regimenteund später Commandant von Fritzlar. Als solcher starb er am 13. Mai 1837. 4 )
Seiner Ehe mit Philippine Christine (geb. 14. Juli 1785, gest. 3. Januar 1855)geb. Geller entstammen die sub Nr. 308 u. ff. aufgeführten Kinder.
300. k) Carl Friedrich, geb. 28. Februar 1775 zu Münden, war 1793 land-gräflich hessischer Cadet, diente dann bis zum Hauptmann im kurhessischen RegimentePrinz Carl, trat als solcher in Pension und lebte nach einander in Rehburg, Benniehausen,Fritzlar, Wehlheiden bei Cassel und zuletzt in Potsdam, wo er am 20. Februar 1847am Lungenschlage starb. 5 )
') v. Ditfurth, die Hessen in den Feldzügen von 1793, 94 u. 95 in Flandern, I, S. 130, Anmerk.;
S. 141, Anmerk.; v. Sichart, 1. c., IV, S. 444. — 2 ) Das kurhessische Leibgarde-Regiment (Cassel, 1882),
S. 66, 70. — 3) Horn, der Guelfenorden des Königreichs Hannover, S. 483. — 4) Nach Privat - Auf-zeichnungen. — 5 ) Desgl.