Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
288
Einzelbild herunterladen
 

288

stamm- 199. Bernd Sittich. Dieser siebente im Jahre 1574 geborene Sohn Ludolfs

tafet ii. wur( j e d er Stammvater des nach ihm benannten Zweiges unseres Geschlechts.

Nation" 6 Den Inhalt der über ihn sprechenden 14 Regesten unserer Sammlung') hier

näher auszuführen, scheint unnöthig, da er uns schon aus den Biographien seinerBrüder, namentlich aus der seines Bruders Hans Ernst bekannt ist. Hervorhebenwollen wir nur, dass Bernd Sittich bei der am 29. Septbr. 1591 vorgenommenenTheilung der väterlichen Güter Appenrode mit aller Länderei und Gehölz erhielt, dazualle Wiesen auf der Garte, den Bremke'schen Feldzehnten, den halben Zehnten zuBenniehausen und die Schäferei zu Gelliehausen. (Reg. 998.)

Er verheirathete sich schon in seinem 2(1. Lebensjahre (1594) mit Elisabeth, desJoachim von Lüerwald zu Suttorp und der Lucie geb. von Fürstenberg Tochter.Nachdem der Tod sie ihm genommen, begab er sich 1599 mit seinem Bruder HansErnst alsAufwärter" nach Westphalen, um die dort unter Franz von Mendoza ein-gefallenen Spanier zu vertreiben. 2 ) 1600 focht er im Dienste Kaiser Rudolfs II. gegenden Sultan Mahomet III. in Ungarn. 1604 diente er dem Könige Philipp III. von Spanienin den Niederlanden bei der Belagerung und Einnahme der Festung Ostende. (20. Septbr.)1606 ging er mit seinem Bruder Hans Ernst abermals in spanische Dienste, mussteaber noch in demselben Jahre Krankheit halber das Kriegshandwerk aufgeben undnach Hause zurückkehren. Hier verheirathete er sich am 21. März 1610 zum zweitenMale mit Maria Salome (geb. um 1593), des Wilhelm von Uslar Melchior'scher Linie(St.-T. VII) Tochter.

In seiner späteren Lebenszeit kennen wir ihn nur aus einem Processe, den ermit einem Juden Schmul zu Witzenhausen führte. Bernd Sittich hatte 900 Thlr. vonihm geliehen, die er mit 18 Thlr. 4 Mgr. für jedes Hundert jährlich verzinsen undausserdem zur Sicherheit eine Obligation, 3 goldene Ketten, einen grossen vergoldetensilbernen Pokal, 2 silberne Dolche und einige Frauenkleider deponiren musste. Nach-dem Bernd Sittich das Geld zurückgezahlt hatte, gab der Jude vor, die Pfänder nichtfinden und deshalb nicht zurückliefern zu können. Nun verklagte ihn Bernd Sittichbeim Landgrafen von Hessen, insbesondere auch wegen der geforderten hohen Zinsen;allein beide starben darüber hin und noch um 1640 processirte Bernd Sittich's ältesterSohn mit den Schmul'schen Erben. 3 )

Bernd Sittich starb, 52 Jahre alt, im Jahre 1626 zu Göttingen an der Pest undwurde in der dortigen St. Nicolai - Kirche begraben. In demselben Jahre wurde auchseine Gemahlin (18. Juni) mit 2 Söhnen und 2 Töchtern zweiter Ehe dort ein Opferdieser Seuche. 4 )

Bernd Sittich's Kinder erster Ehe hiessen:

xv - Gene ' 200. a) Curd Hans Heinrich. Geboren den 29. Septbr. 1595, studirte er,

ratl0n ' nachdem er zu Hause sehr tüchtig und in wissenschaftlicher Gründlichkeit ausgebildetworden war, zu Heiligenstadt, Fulda und in dem Jesuiten-Collegium zu Mainz so fleissig,dass er den philosophischen Gursus, sowie die Humaniora bereits im 21. Lebensjahreabsolvirt hatte. Dann lebte er auf Wunsch seines Vaters eine Zeitlang im elterlichenHause. Zu Anfang des 30 jährigen Krieges diente er (1620) mit seinen Vettern Georgund Thilo Albrecht in dem Regimente zu Pferde des Herzogs Johann Ernst zu Sachsen-Weimar, später wurde er Lieutenant im Regimente des Rheingrafen.

Auf dem am 26. Februar 1623 in Braunschweig eröffneten Kreistage wurde dieErrichtung einer Armee unter dem Herzoge Georg von Lüneburg zur Wahrung derNeutralität des niedersächsischen Kreises beschlossen, und Curd Hans Heinrich zumQuartiermeister über die Cavallerie und Infanterie designirt. 5 ) Wir haben in der Bio-graphie Thilo Albrecht's v. U. (S. 253) die Gründe kennen gelernt, weshalb dieseArmee nie völlig zu Stande kam.

Als sein Vater und seine Stiefmutter im Jahre 1626 an der Pest gestorben waren,kehrte er zur Uebernahme der Güter aus dem Felde zurück. Als dann Herzog FriedrichUlrich von Wolfenbüttel mit dem General Tilly einen Vertrag schloss, welcher allen

>) Es sind die Nrn. 992 u. 93, 9971001, 1007, 9, 11, 12, 15, 18, 31. 2 ) Näheres über diesens. g. Reesischen Zug (Zug vor Rees) in der Biographie des Hans Ernst v. U. (Nr. 165). 3 ) Aus Aktender Familie im Staatsarchive zu Marburg. 4 ) Specht, 1. c., Cap. XIII; Praetorius, 1. c., Seite Ii.5 ) Opel, der niedersächsisch - dänische Krieg, I, S. 392. Die allgemeinen Quellen über Curd Hans Hein-rich V .U.: Specht, 1. c., Cap. XIV; Praetorius, 1. c., Seite K.