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Sein überanstrengendes Arbeiten all die letzten Jahre hindurch, die vielen Auf-regungen und Geinüthsbewegiuigen hatten überdies seine eiserne Constitution nun dochuntergraben. Er fing an, alle Gegenstände doppelt und in schiefer Stellung zu sehen, undverfiel ein paar mal in tiefe Ohnmächten, die lange andauerten. Trotzdem arbeitete er,sich vorlesen lassend und dictirend, immer noch unermüdlich fort, weil sehr wichtigeund dringende Dinge zu erledigen waren. Dann aber trat eine bedenkliche Ohnmachtein, nach der sein Zustand ihm jede geistige Beschäftigung unmöglich machte. Die Aerzteverlangten absolute Ruhe und eine Badekur in Deutschland. Der erbetene Urlaub wurdeihm ertheilt, und er begab sich im April 1857 in die Graefesche Klinik nach Berlin, so-wie zu einer Kur nach Wiesbaden. Sein Kaiser bestimmte ihm 5000 Dukaten zu dieserReise und enthob ihn vom Posten eines Dirigirenden des Seeministeriums, beliess ihnaber in der Stellung als Mitglied des Reichsrathes.
Den Winter dieses Jahres verbrachte er mit einer Tochter und seiner Schwägerinin Venedig und kehrte im folgenden Frühjahr, 1858, über Constantinopel und dasSchwarze Meer, die Südküste der Krim und Sebastopol besuchend, nach St. Petersburgzurück, wo er im Herbst 1859 seinen Sitz im Reichsrathe, dem obersten gesetzgebendenKörper des russischen Reiches, einnahm und zu einem der engeren Comites desselbengehörte.
Die Jahre, welche jetzt folgten, die Zeit der grossen Reformen Kaiser Alexanders IL,waren für die innere Geschichte Russlands besonders wichtige. Die Fragen der Bauern-Emancipation, der Agrarreformen, der Justizreformen u. s. w. mussten gesetzlich geregeltwerden. Die tiefeingreifendsten Debatten und Verhandlungen machten das Leben einesim wahren Sinne des Wortes aktiven Mitglieds des Reichsraths zu einem sehr bewegten,ja aufreibenden. Dies wurde es für den jetzt vierundsechzigjährigen, doch wieder involler Kraft dastehenden Wrang eil besonders dann, als nach dem unterdrückten pol-nischen Aufstand das entfachte Nationalgefühl des jungen Russlands die bekannten An-griffe auf die Unterthanen deutscher Nationalität in den baltischen Provinzen begann.Dem stets loyal gesinnten und mit einer warmen Liebe zum grossen russischen Reichbeseelten Manne, der seine ganze Lebenskraft und Lebensarbeit diesem Reiche geweihthatte, dabei aber mit der gleichen Treue und Loyalität sich seiner deutschen Nationalitätund Muttersprache bewusst war und an dem historischen Recht seiner baltischen Heimathund ihrer evangelischen Kirche festhielt, bereiteten diese Kämpfe den tiefsten Schmerz.
Nicht minder widerstand es seiner Ueberzeugung, als im Reichsrath der Antragauf Auflösung der russisch-amerikanischen Compagnie und Verkauf der amerikanischenColonien vorbereitet wurde.
Um gegen diesen Plan, den Baron von Wrangeil für durchaus unvortheilhaftansah, ganz ungehindert bei den Verhandlungen des Reichsraths auftreten zu können,verkaufte er alle seine Aktien, die er in der amerikanischen Compagnie hatte, und ver-zichtete auf die lebenslängliche Pension von 1200 Rubeln, die ihm von der Compagnie beiseinem Abgang als Direktor, als Ausdruck der Anerkennung und Dankbarkeit für seineVerdienste, verliehen worden war. Damit war jeder Schatten eines Vorwurfs abge-schnitten, dass er beim Einstehen für die Existenz der russisch-amerikanischen Compagnie