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25. Ferdinand Friedrich George Ludwig Baron von Wrangeil, 1 )
Sohn von Peter Ludwig - (20), wurde am 29. December 1796 in Pleskau geboren, woseine Eltern sich vorübergehend aufhielten.
Seine früheste Jugend verlebte er in Livland auf dem Gute seiner Eltern, Waimel-Neuhof. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt im Städtchen Werro, wohin die Familieübergesiedelt war, wurde er wieder aufs Land geschickt in das Haus seiner Tante,Fr. von Freymann, auf dem Gut Nursi, w r o er im Verein mit drei anderen Knaben denUnterricht eines aus Deutschland berufenen Lelmers, Hrn. Gnüchtel, gemessen sollte.
Inwieweit Herr Gnüchtel im stände war seinen Schülern einen systematischen undgründlichen Unterricht zu ertheilen oder nicht, muss dahingestellt bleiben, denn er zoges jedenfalls vor, dieselben mit allem und jedem Schulunterricht unbehelligt zu lassen unddie drei jüngeren Knaben, zu denen Ferdinand von Wrangeil gehörte, ganz sichselbst zu überlassen; nach Herzenslust beuteten sie dies auch aus, indem sie bei jedemWetter und zu allen Jahreszeiten in Wald und Flur sich tummelten und ihren Ehrgeizdarein setzten, sich recht abzuhärten, ihre Kräfte zu üben und in allen körperlichenSpielen eine grosse Fertigkeit zu erlangen. Um Grammatik und Rechenbuch kümmertensie sich ebenso wenig als der Lelmer, was ihnen nicht zu verdenken war.
Ferdinand von Wrang eil besass ein eigenes Reitpferd, das er nach Beliebenbenutzen konnte, und so wurde der angeborene Drang des Knaben nach starker Bewe-gung in freier Natur, nach abhärtenden und sogar anstrengenden körperlichen Uebungenschon in den Kinderjahren sehr entwickelt. Sein Sinnen und Trachten ging schon alskleiner Bube auf kühne Unternehmungen aus; Entdeckungsreisen und Abenteuer aller Artschwebten ihm in seinen kindlichen Spielen vor, und er pflegte dann in selbsterfundenenHeldenliedern seine überströmenden Empfindungen mit mehr Begeisterung als Wohlklang-laut in die Welt hinaus zu singen; der stets wiederkehrende Refrain dieser Gesängelautete: „In die Welt hinaus mit Bogen und Pfeil!" Als fünfjähriges Bürschlein schonwar er eines Tages von Hause fortgelaufen und bereits eine weite Strecke auf der Land-strasse gewandert, als man seine Abwesenheit bemerkte und ihn einholte; auf die Frage:wohin er denn wolle? gab er zur Antwort: „In die weite Welt." Vorläufig musste eraber noch in die enge Kinderstube zurückkehren, und die Erfüllung dieses Strebens blieberst späteren Jahren vorbehalten.
Während seines Aufenthaltes bei den Verwandten Freymann traf den noch nichtzehnjährigen Knaben das Unglück, zuerst seine Mutter und ein halbes Jahr später auchden Vater zu verlieren. Gleichzeitig ging auch das Vermögen verloren, indem'der Vaterein zweites Gut erstanden hatte, für welches der Preis in Silber-Rubeln angegeben war;nun aber stieg plötzlich der Silber-Rubel um das Vierfache infolge einer Finanzbestimmungdes Kaisers, und so musste nach dem Tode der Eltern alles verkauft werden, um deneingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die noch lebenden fünf Kinder standenelternlos und mittellos da. Sie wurden von verschiedenen Verwandten und Freunden in
i) Eine sehr ausführliehe Biographie dieses Berühmt gewordenen Mannes Bietet der LeBensaBriss desselBen von L. von Engel-hardt, 1885 in Leipzig im "Verlag von Duncker und HumBlot erschienen, dar. Ebenso in anderer Auflassung: „Die Biographische Skizze,verfasst vom russischen General der Artillerie K. N. Schwartz", enthalten im Sischen Journal „Russlands alte Zeit", Band V, Ausgabe 1872,St. Petersburg.