Druckschrift 
1 (1887)
Seite
423
Einzelbild herunterladen
 

423

Feind viele Truppen in den Wald gezogen, iun uns herauszutreiben und wir wurden sonachscharf gedrängt.

Unsere Soldaten liefen von beiden Seiten dem Wege zu, um unsere Kanonen zuschützen. Da kam endlich der General von der Artillerie Gerbel und commandirte mitden Kanonen vorzurücken. Als ich demselben bemerkte, dass der Wald von Feindenbesetzt sei, hörten wir auch schon die Trommel, die zum Angriff rief. Alle liefen, umunsere Artillerie zn schützen, es durfte kein Feuer gegeben werden.

Mehrere Kameraden standen zusammen und wir reichten uns die Hände; ob mansich wiedersehen würde, wusste niemand.

Dem General Gerbel wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen, sein Adjutantschwer verwundet.

Mehr als eine Division Polen war im Walde, so dass wir es vorzogen, denselbenzu verlassen, und den Rückzug antraten. Es war Abend geworden, der Rauch erhöhtedie Dunkelheit. Man konnte kaum erkennen, was um Einen war und geschah.

Das nächste Städtchen Rudki liegt auf einer A nh öhe: unsere Artillerie stand da-durch etwas geschützt.

Der General befahl mir, das Bataillon zu formiren und zu commandiren, da OberstMoller verwundet sei. Viele Kameraden fehlten schon und unser Verlust war bedeutend;14 Offiziere fehlten, unter denen auch der jetzige (1872) Generallieutenant Stepaonof, dereine schwere Brustwunde hatte.

Obgleich wir retirirten, machten wir doch mehrere hundert Gefangene. Vonbeiden Seiten wurde tapfer gefochten. Im Walde lagen viele Leichen brüderlich zu-sammen. Mein armer Frolof erhielt sieben Wunden und gerieth in Gefangenschaft.

So dauerten die kleinen und grössern Gefechte fort bis vor Warschau, welches am26. August 1831 unter heftigen Kämpfen genommen wurde. In den Strassen nochkämpfte man ohne Erbarmen.

Mich hat der Herr wunderbar geschützt, ich blieb gesund."

Bis hierher hat der Baron Carl von Wrangeil seine Kriegserlebnisse selbst nieder-geschrieben, und sind sie hier wörtlich wiedergegeben. Die nachfolgenden Ergänzungensind theils aus der kaiserlichen Dienstliste, theils aus Mittheilungen seiner eigenenFamilienglieder geschöpft.

Für Auszeichnung in dem persischen (1827) und türkischen Kriege (1828) erhieltvon Wrangell durch Ukas vom Kaiser am 9. Januar 1829 eine Gratifikation und einesilberne Medaille; für die Einnahme von Achalzig wurde ihm unter dem 15. August 1828ein kaiserliches Anerkennungsschreiben zu theil, und er erhielt noch für diesen türkischenKrieg eine silberne Medaille 1828.

Für Auszeichnung im Kampfe mit den polnischen Insurgenten vom 4. bis 8. Mai1831 erhielt von Wrangell den goldenen Ehrensäbel mit der Aufschrift: „Für Tapfer-keit" am 25. Juni 1831 und den St. Annen-Orden II. Klasse (damals ohne Schwerter),und für Erstürmung des Hauptwalles von Warschau am 26. August 1831 unter dem15. Januar 1832 den St. Annen-Orden II. Klasse mit der kaiserlichen Krone. Am28. Januar 1832 wurde von Wrangell Kapitän und erhielt noch für die Kämpfe in