— 378
Im kaiserlichen Patent zum Wladimir-Orden ist wörtlich gesagt: „Für die Tapfer-keit, die Sie am 18. September gegen den Feind zeigten, indem Sie, obgleich verwundet,an der Spitze des Bataillons sich vorwärts warfen und die Soldaten mit Muth erfüllten!"
Im Jahre 1830 machte Georg von Wrangeil mit seinem Regiment den Feldzuggegen die Polen mit, betheiligte sich am Sturm auf Warschau, erhielt den „goldenenSäbel für Tapferkeit", das polnische Kreuz „Virtuti militaria" und den Rang eines Stabs-Kapitäns. Im Jahre 1833 trat er in den Civildienst über.
Bis zum Jahre 1844 diente Baron Georg von Wrangeil als Proviantmeisterdes Garde- und Grenadier-Corps und stand stets im Rufe eines hochehrlichen und prakti-schen Mannes. Wie sehr er von seinen Unterbeamten und Dienstkameraden im Kriegs-Ministerium geachtet und geliebt wurde, beweist eine Adresse und eine kostbare dreiviertelMeter hohe kunstvoll getriebene und mit dem Wrangelsclien Wappen gezierte Silber-vase, die ihm zum Andenken übergeben wurde.
Das von seinem Onkel Hans geerbte Gut Rudnick (Gouvernement Petersburg,Kreis Jamburg) verkaufte er an Baron Joseph Korff und verwandte diese flüssigen Kapi-talien zu commerziellen Unternehmungen, baute eine Baumwollenspinnerei bei Kasan, er-richtete von dort ab eine freie Postverbindung mit West-Sibirien, unternahm die Vertiefungdes Hafens von Kronstadt und erwarb sich ein bedeutendes Vermögen, welches er grössten-theils zum Güterankauf verwandte.
So kaufte er 1850 vom Baron von Uexküll Lopez, Terpilitz und Schloss Toro-so wa im Gouvernement Petersburg und Fedowa im Gouvernement Nowgorod. Im Jahre1853 wurde Baron Georg von Wrangeil, nachdem er schon 1850 zum Collegienrathernannt war, vom Adel zum Landes-Marschall des jamburgschen Kreises erwählt und ver-blieb auf diesem Ehrenposten bis zum Jahre 1864. Es war eine Zeit, wo diese Stellungin Russland noch eine hohe Bedeutung hatte, denn der Adels-Marschall hatte in seinenHänden nicht nur die Angelegenheiten der Grossgrundbesitzer und der Bauern, die nochLeibeigene waren, sondern war auch laut Reichsgesetz Präses aller möglichen Comrnis-sionen und Regierungs-Stiftungen.
Als der erste orientalische Krieg 1853 ausbrach, formirte von Wrangeil denReichslandsturm seines Kreises, machte demselben namhafte Dotationen und beredete denAdel, den zehnten Theil seiner Einkünfte dem Staate zu opfern. In einem Rescript desKaisers Nicolaus I. vom 24. März 1854 und einem speciellen Schreiben des FürstenSchahowskoi vom 4. März 1855 wurde von Wrangeil im Namen des Kaisers zweimaldafür gedankt.
Nach Beendigung des Krieges widmete sich von Wrangeil ganz den Landes-angelegenheiten und veranlasste den Adel, durch seinen Einfluss die Befreiung und Do-tirung der leibeignen Bauern zu befürworten und durchzuführen.
In dieser wichtigen Frage war der Grossgrundbesitz des jamburgschen Kreisesder erste, der in seinen Versammlungen die Bauern - Emancipatiön gesetzlich erörterteund als leuchtendes Beispiel dem ganzen Gouvernement St. Petersburg voranschritt. Now-gorod und Twer folgten bald. Eine Adresse des Adels an von Wrangeil hat solches