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Die esthländische Ritterschaft war entrüstet von den über ihre Gesinnungen gegendie Kaiserin innlaufenden Gerüchten und kurz vor der unter Gneighs Leitung stattgefundenenSchlacht bei Hochland, die am 6. Jnli für Russland günstig ablief, wurde eine Sitzung desritterlichen Ausschusses unter dem 3. Juli abgehalten, in welcher die anhängliche Gesin-nung an die Kaiserin derselben zu unterbreiten beschlossen wurde, und unter dem 7. Julibat der Gouvernements - Marschall Iwan von Bevern den Gouverneur GeneralmajorBaron von Wrangeil, der selbst ein Mitglied der esthländischen Ritterschaft war, umdessen Verwendung in dieser Sache. Eine gleiche Versicherung der Gesinnungstreueerhielt die Kaiserin auch von der livländischen Ritterschaft.
Seine Festung in gutem Vertheidigungszustand wissend und von der loyalen Ge-sinnung der esthländischen und livländischen Ritterschaft überzeugt, konnte der Gouver-neur von Reval der Ankunft der Schweden ruhig entgegensehen.
Zunächst musste er nach Waiwara und Fockenliof ein Commando schicken, weilsich dort die Bauern zusammengerottet hatten, um bewaffnet in die Wälder zu gehenund dort Gewaltthätigkeiten auszuüben. Sie thaten dies, um sich dem Frohndienst undder Leibeigenschaft durch die Flucht zu entziehen. Allein schon am 12. August konntevon Wrang eil dem General-Gouverneur melden, dass in diesen Ortschaften wieder allesruhig wäre.
Seit der Seeschlacht bei Hochland hatte sich kein schwedisches Schiff wieder ander esthländischen Küste sehen lassen. Nur einmal versuchten die Schweden bei Baltisch-port zu landen. Am 6. März 1790 morgens 9 Uhr erblickte man von der Küste aus zweigrosse Schiffe, von Norden herkommend, direct auf die Rhede zusteuern. Ihre Annäherungerregte indess kein Befremden, da die schwedische Flagge nicht geliisst war und namentlichauch weil um diese Zeit für gewöhnlich Schiffe mit Früchten in den dortigen Hafen ein-zulaufen pflegten. Um y 2 ll Uhr konnte man aber schon von der Molo aus die blauen Jackenoder die Uniform der Schweden erkennen. Um 11 Uhr gingen diese Schiffe dem Hafengegenüber vor Anker, setzten die Schaluppen aus, nahmen ihre holländische Flagge herunterund entfalteten die schwedische. Gleich nach dem Abstossen von den Schiffen eröffnetendie zwei bemannten Schaluppen ihr Feuer und landeten bei dem Molo. Die Mannschaft,ungefähr fünfzig bis sechzig an der Zahl, erstieg die unbewachte Festung, vernagelte dieKanonen, richtete eine derselben in die Mitte des Eingangs und setzte sicli so in denBesitz einer Befestigung, die ihr ohne Schwierigkeit den Untergang hätte bereiten können.
Vor Schreck ergriff der Commandant Oberst de Roberty sofort ein weisses Tuch,das Halstuch seiner Frau, und lief damit dem Feinde entgegen, welcher gleichfalls vonseiner Seite aus der Festung einen Offizier mit einem ähnlichen Zeichen sandte. Nach-dem die Herren parlamentirt hatten, mussten ein Major und ein Kapitän von der Garnisonals Geissein nach der Festung gehen und der commandirende schwedische Offizier nebstzwei anderen erschienen beim Commandanten. Die schwedischen Forderungen, welche inerheblichen Naturallieferungen, Munition, Festungsmaterial und in einer Brandschatzungvon 4000 Dukaten bestanden, mussten bewilligt werden.
Die Garnison, 600 Mann stark, protestirte zwar gegen die Capitulation, allein eswar zu spät.