Druckschrift 
1 (1887)
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

— 26!) —

taunen, 208 dreipfündige Kartätschen und dergleichen mein-, 4 Munitionskarren. 10 Kugel-wagen, endlich 2 Estandarten und 8 Fähnlein.

Erst nach der Einnahme von Fehrbellin erkannte der Kurfürst zum Theil aus derAussage der Gefangenen, grösstentheils aber aus der Sinnlosigkeit, mit welcher derFeind den Rückzug angetreten, vor allem, wie er seinen ganzen Train preisgegeben, jasogar die Frauen der höheren Offiziere, darunter die Gemahlinnen der Generale Baronvon Wrangel und von Dalwig, im Stich gelassen hatte, den vollen Umfang des Sieges; erbeschloss daher unter Hintansetzung der bisher beobachteten Vorsichtsmassregeln trotzder Ermüdung von Ross und Mann, die weitere energische Verfolgung des Feindes.

Generallieutenant Baron von Wrangel war am 1!). früh mit dem grösstenTheil des Heeres, welcher gerettet war, in guter Ordnung über die Rhinbrücke beiFehrbellin gezogen und kam nach einem ehrenvollen Rückzüge in Wittstock an, einenTag später, als der noch kranke Feldherr bereits abmarscliirt war, wozu er durch dieübertriebenen Gerüchte des Kriegs-Commissars Oernstädt veranlasst worden. Dieser,des Krieges ungewöhnt, gab die Verluste bedeutend übertriebener an und hatteausserdem gemeldet, dass das ganze schwedische Fussvolk und die Artillerie abge-schnitten wäre.

Zur Verfolgung sandte der Kurfürst den Feldmarschall Derfflinger über den Krem-menschen Pass mit einigen tausend Pferden, dem flüchtigen Feinde vorzubeugen und zusehen, ob er denselben noch einmal „zum Stande" bringen möchte. Der Kurfürst selbstsetzte dem geschlagenen Feinde mit der übrigen Cavallerie nach, und ward die Infanterieund Artillerie, so über Nauen kam, beordert, ihren Marsch zu beschleunigen.

Letzterer Befehl wurde bei der schnellen Flucht des Feindes daliin abgeändert,dass der Herzog von Holstein mit der Infanterie und Artillerie von Magdeburg elbab-wärts über Sandau nach Havelberg marschiren sollte, wo er schon am 23. Juni eintraf,die von den Schweden zerstörte Havelbrücke herstellte und von dort weiter auf Witt-stock zu rückte.

Der Feldherr Graf Wrangel hatte von letzterein Orte, ohne das Herankommendes Hauptheeres, wie wir gesehen, abzuwarten, den Rückzug nach Stettin, wie der Kur-fürst schreibt „in Buckssprüngen" fortgesetzt, während sein Stiefbruder WoldemarBaron von Wrangel mit dem Heere von Ruppin aus Dennnin in kaum geringerer Eilezu erreichen suchte. Erst am 22. Juni erhielt der Reichsfeldherr in Dennnin einen zu-verlässigen Bericht über die Schlacht. J )

Die Verfolgung durch Derfflinger erreichte nicht ihren Zweck; dagegen hatte derKurfürst noch einmal Gelegenheit zu einem kleinen Rencontre. Er war, nachdem dieBrücke am 19. Juni hergestellt, am 20. Juni den Schweden auf dem Fusse gefolgt undtraf sie am 21. Juni jenseits der Stadt Wittstock in Schlachtordnung aufgestellt. Diebrandenburgische Armee blieb diesseits stellen, und der Kurfürst unternahm nur mit denGeneralen unter einer Bedeckung von 150 Pferden vom Leib-Kürassier-Regiment über dieStadt hinaus eine Recognoscirung, ward aber unvermuthet von sechs Schwadronen der

i) Des Feldlierrn Graf Wrangels ofiicielle Sellin clitherichte sind vom 25. Juni. 27. Juni und 2. Juli. Sie sind im schwedi-schen Reichsarchiv deponirt.