— 206
Torstenson folgt dem geschlagenen Feinde nach Mähren, nimmt 5. (15.) JuniOlmütz und sendet Helmold von Wrangel (III 41) vor, der bis sechs Meilen vor Wienstreift. Torstenson kehrte nach und nach bis Guben zurück, bezog hier ein Lager, umdie Verstärkungen abzuwarten, die Carl Gustav von Wrangel am 26. August zuführte,und rückte sofort zum Entsätze vor Glogau.
Nach Besetzung von Schlesien und anderweitigen Hin- und Hermärschen gelangtedas schwedische Heer in guter Ordnung den 28. September vor Zittau; und obschon es denFeind zum Entsatz nahen sah und der Commandant in Zuversicht darauf sich wehrte, griffendie Schweden um die Mittagszeit die Stadt mit Sturm an; Carl Gustav von Wrangeloccupirte ein Aussenwerk, und der Commandant ergab sich mit seinen 150 Mann, die inschwedische Dienste gingen. Torstenson blieb hier bis zum 6. October, und benutzte dieZeit zu einem Vergleich behufs Auslieferung der Kriegsgefangenen. Die Kaiserlichenhatten sich an der böhmischen Grenze eine Meile von den Schweden gelagert. Von derschwedischen Mannschaft, welche Carl Gustav von Wrangel als Succurs gebracht,war kaum ein Drittel als diensttüchtig übrig geblieben. Die übrigen, welche, diestarken Märsche ungewohnt, an Proviant Mangel litten, waren theils erkrankt und inden Garnisonen zurückgelassen worden, theils den Strapazen erlegen. Dagegen hattendie Kaiserlichen das Land überall zum Freunde. 1 )
Von Zittau aus näherte sich Torstenson mehr der Elbe, welche er am 17. (27.) Octoberbei Torgau überschritt. Nachdem er sich mit Ivönigsmarck vereinigt, rückt er auf Leipzigund stellt sich in Schlachtordnung dem ihn verfolgenden Feinde entgegen, und zwar ander Stelle auf, wo vormals der König ein Gefecht mit Tilly gehabt. Am 23. October(2. November) 1642 standen sich beide Heere gegenüber. Die Schweden waren 20 000bis 22 000 Mann, der Feind etwa 25 000 bis 27 000 Mann stark. Wrangel stand mitzwölf Infanterie-Regimentern im Centrum. Die Dörfer Breitenfeld und Seehausen lagenhinter ihren beiden Flügeln.
„Als der Feind 2 ) sich nicht von der Stelle rührte, avancirten die Schweden „inGottes Namen" in voller Schlachtordnung, obgleich sie durch Schrot und Kartätschengrossen Schaden litten, bis sich die Gegner einander unter das Gesicht bekamen. Sobegann die Schlacht und dauerte ungefähr" vier Stunden. Unser rechter Flügel warf denkaiserlichen linken ohne grossen Widerstand. Darauf kam unser linker und die Brigade(des Centrums) auch ins Handgemenge und beiderseits wurde tapfer gefochten. Und ob-schon der rechte Flügel des Feindes so vorgedrungen, dass einige unserer Brigaden undbesonders unser linker Flügel — Königsmarck und Slange — in Verwirrung gerathen, unddie Constabeln theils den Stücken entliefen, so haben wir doch umgewandt, emsig unsernrechten Flügel — Stalhanske und Wittenberg — angeführt und den linken secundirt,so dass wir mit Gottes Hilfe den Feind aus dem Felde geschlagen, völlig seine Infanteriegesprengt, die elf Brigaden und weit stärker als die unsern waren. Sie hatten sich ineinen kleinen Wald begeben, wo auch zu Zeiten des Königs und Tillys einiges Fussvolksoll aufgestellt gewesen sein. Allein ich nahm sie in die Flanke und trieb sie von
1) Aus einem Briefe des Carl Gustav von Wrangel an seinen Vater.
2) So berichtet Carl Gustav von Wrangel wörtlich an seinen Vater über die Schlacht bei Breitenfeld.
I