anderen Zustände der Fall ist. Auch die logischen Stützpunktefür die Konstruktion dieses Begriffes sind schwankend. Denn hierfließt alles. Sucht man nämlich die Vorstellung- von der rechtenVolksmenge in die Elemente aufzulösen, die dieselbe, wie manannehmen kann, konstituieren, so zeigt es sich, daß sie alle inWechselwirkung mit einander stehen oder Funktionen von ein-ander sind. Es ist deshalb kein Wunder, daß die Wissenschaftsich bisher nur wenig mit dieser Frage beschäftigt hat. Aberobschon die Frage der richtigen Volksmenge noch nicht einerwissenschaftlichen Diskussion unterzogen ist, so ist sie doch demNachdenken der Menschen nicht entgangen. So wissen wir, daßden Staatsmännern des 17. und 18. Jahrhunderts eine möglichstgroße Volksmenge als Ideal, und also als die richtige vorschwebte.Die beste Volksmenge war das Maximum von Menschen. IhreAuffassung hierüber wurde durch den Gedanken an Verteidigung,wie an den Nationalreichtum bestimmt. Sie waren — und sichernicht mit Unrecht — der Ansicht, daß beide durch eine großeVolksmenge ihr Maximum erreichen. Eine ganz entgegenge-setzte Vorstellung trifft bei denen zu, die aus Furcht vor Über-völkerung eine Beschränkung der Volkszahl befürworten, wiees die Neomalthusianer tun. Sie gehen von der Fürsorge füreinen möglichst guten und großen Wohlstand des Einzelnen ausund meinen, daß dies am besten durch Beschränkung der vielenNahrungsfordernden befördert würde. Ein Minimum Menschendie die Nationaleinnahmen unter sich teilen, sind ihrer Auffassungnach am ehesten die richtige Volksmenge.
Diese entgegengesetzten Meinungen sind beide, die einenicht weniger als die andere, unrichtig. Aber die Gesichtspunkte,von denen sie ausgehen, sind jeder für sich berechtigt und bildenin der Tat die einzigen festen Stützpunkte zur Bestimmung desBegriffes der richtigen Volksmenge. Denn das Maximum Leben,Kultur und Glück, das wir mit dem Begriffe richtige Volksmengeverknüpfen müssen, betrifft ebenso sehr das Volk als Gesamtheitwie die Einzelnen. Der Bestand, die Macht- und Kulturent-wickelung des Volkes stellen ebenso unverweigerliche Forderungenan die richtige Volkszahl, wie andererseits der Wohlstand unddas Glück des Einzelnen. Und da das Volk nicht allein die jetztlebende Generation einbegreift, sondern auch alle folgenden, soist die Rücksicht auf die Zukunft ebenso wichtig wie die Rück-sicht auf die Gegenwart. In diesem Falle jedoch entsteht, wie