Vierzehntes Kapitel.
Das Alter.
Das Alter als statistische Eigenschaft. Die nach dem Genusnächste, allen Menschen gemeinsame Eigenschaft, mit der eineVolkszählung sich befaßt, ist das Alter. Dasselbe ist nicht soleicht zu konstatieren wie das Geschlecht oder verschiedene anderemenschliche Eigenschaften. 'Manche wissen ihr Alter nicht,andere, und besonders die Frauen in einem gewissen Alter,wollen nicht darüber Auskunft geben. Auch bei der hier zubeschreibenden Volksmasse kommen Fehler dieser Art vor, ob-schon hier die Buchführungsmethode, nicht die in diesem Falleunsicheren eigenen Angaben, zur Anwendung gelangte.
Als persönliche Eigenschaft ist das Alter von kardinalerBedeutung. Der Mensch ist nicht auf einmal ein vollständigerund ganzer Mensch, sondern wird es erst allmählich; und auchnachdem er erwachsen ist, bestimmt das Alter in einem hohenGrade seine physische wie seine psychische Persönlichkeit. DasRätsel der Sphinx von dem Wesen, das des Morgens auf vier,des Mittags auf zwei und des Abends auf drei Beinen geht, be-leuchtet ausgezeichnet die Macht der Jahre über uns. Aber auchals Eigenschaft einer Volksmasse ist das Alter von der größtenBedeutung. Auf der verschiedenen Verteilung desselben in einemVolke, also auf der Stärke der verschiedenen Altersklassen be-ruhen eine Menge anderer Lebensmomente und vor allem dieProduktion und Konsumtion des Volkes. Die Größe der pro-duktiven Klassen, d. h. der Klassen mittleren Alters im Ver-hältnisse zu den unproduktiven, den unter- und teilweise über-jährigen, wirkt somit stark auf die augenblickliche und zu-künftige ökonomische Kraft eines Volkes. Gleichzeitig wirddadurch, daß die zuletzt genannten Altersklassen auf die erst-genannten als ihren Schutz und ihre Stütze angewiesen sind,