Fünftes Kapitel.
Das Aussterben der Geschlechter.
Das Aussterben von Geschlechtern. Obschon das Aus-sterben von Geschlechtern eine alltägliche Erscheinung ist, er-weckt es nur ausnahmsweise unsere Aufmerksamkeit. In älterenZeiten, wo das Geschlecht eine lebende Volksgruppe war, wurdendiese Ereignisse mit einem ganz anderen Interesse verfolgt. DasErlöschen berühmter Geschlechter, wie das der Pelopiden inGriechenland, der Ynglingar und Gjukunger in der germanischenWelt erweckte für alle Zeiten Widerklang im Gesang und in derSage. Aber je schwächer das Geschlecht als Volksgruppe ge-worden ist, um so weniger merken die Menschen sein Ende. Undin der Jetztzeit achten wir so wenig darauf, daß uns dies ge-wöhnlich ganz entgeht. Und doch erlöschen bei den Kulturvölkernjährlich Hunderte, ja Tausende von Geschlechtern. Die Sterb-lichkeit innerhalb der historischen Geschlechter, der Geschlechtermit Namen, mit denen wir uns allein beschäftigen, ist überall einesehr große, und ist es stets gewesen. Einige wenige bekannteDaten mögen hier angeführt werden. Sie sind hauptsächlich denAdelsgeschlechtern entnommen, denn diese sind die bekanntesten.
Schon im Altertum hat man die Beobachtung gemacht, daß.die Adelsgeschlechter schnell ausstarben. So ging es laut vielenAussagen, die die moderne Kritik nicht verwerfen kann, wennsie auch die angeführten exakten Zahlen anficht, in Sparta. Undwie es mit den alten Geschlechtern in Sparta ging, so ginges in Athen und den übrigen griechischen Staaten, sowie in Rom.Die Geschlechter der Patrizier, deren Anzahl gewöhnlich auf ur-sprünglich 300 geschätzt wird, waren zu Caesars Zeit nach An-gabe eines Zeitgenossen auf 50 reduziert, was jedoch von Mommsen