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muß, mag dahingestellt sein. Sicher ist jedoch, daß sie im Lebender europäischen Völker eine, obschon freilich, soweit man sehenkann, nicht überall gleich bedeutende Rolle gespielt hat 1 ). Faßtman indessen die verschiedenen Züge zusammen, so findet man,daß das Geschlecht teils eine ökonomische, teils eine religiöse,teils endlich eine politische Organisation gebildet hat. Der Mangelan Raum verbietet es mir, auf eine Darstellung dieser jede fürsich so bedeutungsvollen Seiten des Lebens und der Wirksamkeitdes Geschlechtes einzugehen. Nur eine summarische Aufzählungder verschiedenen Momente in demselben, sowie der Kräfte, dieüber die Geschlechterorganisation hinausgeführt haben, möge hiernoch Platz finden.
Als ökonomische Gruppe besaß das Geschlecht gemein-sames Eigentum in dem Grundbesitz des Geschlechtes, und dieVererbung hielt sich ausschließlich innerhalb dieses. Dies warbei unseren germanischen und skandinavischen Vorfahren eineder wichtigsten Aufgaben des Geschlechtes. Seine Bedeutungals religiöse Gruppe erhielt es durch die Verehrung der Väter,welche, wahrscheinlich die älteste Form von Religion bildend,bei den klassischen Völkern eine merkwürdige Entwicklung er-hielt, wie Fustel de Coulanges dies so meisterhaft geschilderthat. Endlich war das Geschlecht gemeinhin eine Vereinigung zugemeinsamer Verteidigung, wie die Blutrache und die Eid-genossenschaftsinstitution beweisen. Am stärksten entwickeltesich diese politische Seite des Geschlechtes in der Klanver-faßung, wie sie unter den keltischen Schotten bestand und nochjetzt bei den Afghanen existieren soll. Die volkliche Abson-derung in kleine Gruppen hat hier in der geographischen Be-schaffenheit der Länder ihre Stütze gefunden.
Jahrhunderte oder vielleicht Jahrtausende lang hat das Ge-schlecht auf diese Weise bei vielen Völkern die feste Form fürdie soziale und politische Organisation der Menschen gebildet.An einem gewissen, für verschiedene Völker verschiedenen Zeit-punkt hat die Entwicklung jedoch Kräfte heraufbeschworen, diesich derselben feindlich entgegengestellt und sie endlich vollständigzu Falle gebracht haben. Die allgemeinste und mächtigste dieserKräfte war, wie oben angedeutet, die Volksvermehrung, von
i) Der Versuch H. v. Sybels, das gesamte germanische Gemeinwesen zur ZeitCasars und Tacitus' unter dem Gesichtspunkte des „Geschlechterstaates" zu betrachten,muß als verfehlt erachtet werden (Entstehung des deutschen Königtums).