20
unterworfen gewesen durch Aussterben und Hinzukommen neuerGeschlechter. Doch ist dies keineswegs gleichmäßig geschehen.Es hat Zeiten gegeben, wo der Zugang bedeutend grösser warals der Abgang, während zu anderen Zeiten das Entgegengesetztestattgefunden hat. Sehen wir von dem früheren Mittelalter unddem da erfolgten natürlichen Zuwachs des Adels, worüber wir in-dessen nichts Näheres wissen, ab, so kann man zwei Periodeneiner starken Vermehrung durch Neuhinzugekommene und eben-falls zwei Perioden eines geringen oder gar keines solchen Zu-wachses konstatieren. Die letzteren folgen auf die ersteren, wieEbbe auf Flut. Die erste Periode eines starken Zuwachses durchNeuhinzugekommene datiert aus der Einführung des Roßdienstes1280 und dessen Ausdehnung 1345. Durch diese Anordnungwurde es jedem vermögenden Bauer möglich, in den Adelstandzu treten; und es ist offensichtlich, daß eine große Menge vondiesem Rechte Gebrauch gemacht hat. Zwar besitzen wir keineziffernmäßigen Belege zur Unterstützung unserer Behauptung,aber das Uebergewicht der Aristokratie im 14. Jahrhundert, dasin erster Reihe ihrer großen Anzahl zugeschrieben werden muß,sowie noch mehr die Bemühungen der Könige etwas später, derAusbreitung des Adelsrechtes dadurch Einhalt zu gebieten, daßdasselbe von der königlichen Genehmigung abhängig gemachtwurde, sind Beweise genug hierfür.
Aber gerade diese Bestrebungen bewirkten, daß allmählichein Stillstand in der Zuströmung neuer Adliger eintrat. Dieheftigen Unionskämpfe mit darauf folgenden Interregna und späterder lange Kampf Gustav Vasas zur Befestigung des neuen Ivönig-tumes trugen ebenfalls dazu bei, derselben eine Grenze zu setzen.Noch mehr hat jedoch die zu dieser Zeit veränderte Art der Er-teilung des Adelsschildes hierzu getan. Die Erwerbung desAdelsrechtes durch Roßdienst kam nach und nach außer Brauchund wurde durch königliche Nobilitierung ersetzt. Aber hiermitwurde unter Gustav Vasa und seinen Söhnen sparsam verfahren,obgleich Erik XIV. die Grafen- und Freiherrn würde stiftete (1561).Die letzte Hälfte des 15. Jahrhunderts, sowie das ganze 16. Jahr-hundert bezeichnet also eine Periode schwacher Zunahme inder Zahl adliger Geschlechter. Die im Ritterhause aufgezeich-neten Genealogien liefern hierfür einen untrüglichen Beweis.Denn, selbst wenn man annimmt, daß sämtliche hier als „alterAdel" bezeichnete Geschlechter aus dieser Zeit herstammen.