261
2. Würde die Gnade immer sogleich gegeben, undstünde ste nach Wunsch zu Gebote, so könnte diesder schwache Mensch nicht wohl ertragen; darum sollman in guter Hoffnung, in Demuth und Geduld dieGnade der Andacht erwarten. Dir aber und deinenSünden rechne es zu, wenn ste dir nicht verliehen,oder auch geheimer Weise entzogen wird.
Es ist oft etwas Geringes, was die Gnade hemmtund verbirgt; wenn man anders das etwas Geringes,und nicht vielmehr etwas Großes nennen darf, wasuns um ein so großes Gut bringt.
Hast du aber gerade dies Geringe oder Großeentfernt und vollkommen besiegt, so wird dir werden,um was du gebeten hast.
3. Denn sobald du dich Gott vo» ganzem Herzenergeben hast, und nicht mehr bald dies, bald jenesnach deinem Wunsch und Willen suchest, sondern dichungetheilt in Ihn gelegt hast: so wirst du dich mitIhm vereinigt und beruhigt finden; denn nichts wirddir so wohl schmecken und gefallen, wie das Wohlge-fallen und der Wille GotteS,
Wer also sein Augenmerk mit einfältigem Herzenzu Gott empor gerichtet, und sich von aller unordent-lichen Liebe oder Abneigung zu irgend einem geschaf-fenen Dinge losgemacht hat, der wird am tauglichstensein, die Gnade zu empfangen, und würdig der Gabeder Andacht.
Denn der Herr giebt seinen Segen da, wo er leereGefäße findet.
Und je vollkommener Jemand den niedrigen Din-gen entsagt, und durch Selbstverschmähung sich selber