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Die Burg Goldenberg, von welcher die Bitter und Edeln von Goldenbergihren Namen schöpften, und die, soviel wir wissen, niemals einer Zerstörungdurch Krieg unterlag, liegt auf einem von Alters her durch trefflichen Wein-wachs bekannten und eine anmuthige Aussicht nach dem freundlichen Flaach-thale und westlich über den Rhein hinaus nach dem weiten fruchtbarenRafzerfelde darbietenden Hügel ob der Ortschaft Dorf zwischen Henggart undFla ach. Von der alten wehrhaften Burg, die Goldenberg in seiner erstenPeriode war, hat sich nur der starke aber nicht hohe Thurm durch alle Wand-lungen. die der Rittersitz erfuhr, bis auf unsere Tage herab gerettet; die übrigenGebäulichkeiten sind fortwährend, den wechselnden Bedürfnissen jeden Zeit-abschnittes entsprechend, umgestaltet und dadurch die Ritter-Burg in einJunkerschloss, und dieses in einen Landsitz verwandelt worden, bis es in aller-neuester Zeit sogar aller Welt freundlichst seine Thüren geöffnet hat. SchlossGoldenberg ist nämlich seit etwa drei Jahren Gasthaus und Kuranstalt geworden,und der Schlossherr empfängt mit offenen Armen alle zahlungsfähigen Gäste,namentlich auch diejenigen Städter, welche, einer Sommerfrische bedürftig, füreinige Wochen gute Luft und annehmbare Verpflegung bei ihm suchen wollen.
Ehe wir auf das Geschlecht derer von Goldenberg einlässlicher eintreten,mag es am Platze sein, in Kürze die Geschichte ihres Stammsitzes abzuwandeln,also derjenigen Familien Erwähnung zu thun, an welche das Schloss, nachdemeinmal die Edeln von Goldenberg sich dieses ihres ursprünglichen Stammbesitzesentäussert hatten, gelangt ist, und unter denen es die bereits angedeutetenUmgestaltungen erfahren hat.
Schon zu Ende des 14. Jahrhunderts sassen als Herren auf Goldenbergdie Edeln von Gachnang, deren Stammburg bei Frauenfeld sich ebenfalls bisauf den heutigen Tag erhalten hat. Diese Familie, die uns von sehr früherZeit an in den Urkunden ungemein häufig begegnet, zählte zu den zahlreichstenund begütertsten der Ostschweiz, und besass neben ihren Stammgütern auch dieBurgen Liebenberg und Schollenberg, sowie die Vogteien zu Nussbaumen,Trasadingen und an andern Orten. Allein das Ansehen, dessen die Ritter vonGachnang bei den österreichischen Herzogengenossen, scheint ihnen nicht wohlbekommen zu sein. Sie sollen ihr grosses Gut, vornehmlich durch Bürgschaftenfür diese Fürsten, vor Allem für den Herzog Sigmund, eingebüsst haben undverarmt sein. Sicher ist, dass uns im 16. und 17. Jahrhundert zahlreicheTräger des Namens von Gachnang sowohl unter dem Landvolke, namentlichin der Herrschaft Andelfingen, als auch unter der Bürgerschaft der Stadt Zürichbegegnen, alle in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die von Gachnang, welchedamals das Bürgerrecht in der Stadt Zürich besassen, waren Schuhmacher undSchneider. Da aber der sorgfältige Dietrich Meyer in seinem Wappenbucheder Stadt Zürich von 1605 ihnen gleichwohl das volle Wappen der Ritter vonGachnang, das rothe Einhorn im silbernen Schild 1 ), sammt dem offenen Helmezuschreibt, und ihr Wappen mitten in der Reihe der adelichen Wappen bringt,ist anzunehmen, dass zu Meyer's Zeit an dem Zusammenhange der Kleinbürgervon Gachnang mit dem gleichnamigen Rittergeschlecht nicht gezweifelt wordensei. Noch heute ist das Geschlecht, jetzt kurzweg Gachnang geheissen, zwarnicht mehr unter der alten Stadtbürgerschaft vertreten, aber im Kanton Zürichziemlich verbreitet. Die Edeln von Gachnang scheinen den Sitz Golden-berg bis Ende des 16. Jahrhunderts inne gehabt zu haben. 1499 wird Ulrichv. Gachnang von Liebenberg als sein Eigenthümer genannt, und der 1486ebenfalls als Herr zu Goldeuberg vorkommende Hans von Wellenberg zu Pfungenkann wohl nur Besitzer eines Antheiles daran gewesen sein. Im 16. Jahrhundertwird eine uns nicht näher bekannte Familie Gumpracht als Eigenthiimerin des