220 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRABEN KARL VON ZINZENDORF.
könnte. Den 22. November versammelte der Graf von Zinzen-dorf zum erstenmal seine Hofräthe in dem ehemaligen General-Seminar, wohin sowohl der Rathssaal der Hof-Rechenkammerals auch die meisten Hofbuchhaltungen aus dem Bankhauseübersetzt worden waren. Den 3o. wohnte der Graf einer Zu-sammentretung bei, welche unter Vorsitz Seiner königlichenHoheit des Erzherzogs Franz über die erneuerten Anforderungender steierischen Stände gehalten ward. Zwei Räthe, mit NamenLeon und Mergenthal, wurden im December von Leopold II.dem Staatsrath untergeben, mit dem Auftrag, Kundschafter beiden verschiedenen Hofstellen zu sein, und mit der Berechtigung,sich in der betreffenden Registratur jeden Augenblick alle nurersinnlichen Akten in originali vorzeigen zu lassen.
Neue Urkunden, das Zinzendorf'sehe Geschlecht betreffend,von dem 12. Jahrhunderte an, wurden dem Grafen am 5. De-cember von dem Chorherrn zu St. Stefan, von Smitmer, mit-getheilt, welche er dem dritten Bande seiner Geschichte von demZinzendorf'schen Geschlechte einverleibte.
Am 2. Januar 1792 erhielt der Graf von Zinzendorf gleich-wie die übrigen Minister ein Handbillet, worin Leopold II. indie mechanische Organisation der Stellen sich weitläufig ver-tiefte und den Präsidenten fast alle Oberaufsicht über die Re-ferenten wegzunehflien trachtete. Den 18. Januar unterschriebder Graf in der Eigenschaft eines Commissarius des nieder-österreichischen Herrenstandes die von den sämmtlichen Ständenihrem Ausschusse und für ihr Collegium der Verordneten aus-gefertigten Instructionen. Gegen die ihn zuweilen beschweren-den Flüsse an den Augen gebrauchte er mit Erfolg die PariserEau ophtalmique du S r Loche. Um seine Rathssitzungen wirk-samer zur Uebersehung der Abfertigung aller wichtigen Ge-schäfte zu machen, führte der Graf einen Scontro ein, der vondem Präsidium jeden Rathstag durchgegangen werden mussteund von dem Kaiser Leopold gebilligt wurde. Am i3. Januarwar der Graf gegen die Meinung der böhmisch-österreichischenHofkanzlei, welche die Brünner Leihbank den mährischen Stän-den aufbürden wollte, und seine Meinung ward angenommen.Den 7. Februar berathscblagten die niederösterreichischen Ständeüber die Art und Weise, wie künftig alle Bedrückung der