Druckschrift 
Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

1 86 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF.

über Möttling, den 18. nach Laibach in Krain. Hier wohnteerden Rathsversammlungen bei, war den 29. wiederum zu Graz,und reiste von da über die Salzstrasse, den 6. October nachAussee, Ischl im Land ob der Enns, Ebensee, über den Traun-see, den 8. nach Gmunden. Vom 11. bis 26. blieb er zu Linz,wohnte verschiedenen Rathssitzungen, auch den Berathschlagungenüber die damalige Theuerung bei, reiste über Freistadt nachKrumau in Böhmen zu dem Fürsten von Schwarzenberg undkam den 7. November nach Wien zurück.

Aus dieser viermonatlichen Reise entstand, ausser einemVersuch über die Grafschaften Görz und Gradisca, ein umständ-licher Bericht über den Handel und Waarenzug des SeehafensTriest, dann eine ausführliche Beschreibung und Beurtheilungder mehrfältigen Bedrückungen, unter welchen die Eisenindustriein Oesterreich, Steiermark und Kärnten bei zahlreichen in ein-ander verwickelten Monopolen seufzte. Die zweite Arbeit er-öffnete dem Grafen vielleicht die Aussicht zu dem vier Jahrespäter erhaltenen Gouvernement von Triest, die dritte schaffteihren Nutzen erst neun Jahre nachher, als Kaiser Josef II. diefleissigen Unterthanen oberwähnter drei Provinzen von denmeisten der damals bestehenden Bedrückungen lossprach.

Zwei Dekrete vom 21. Februar 1772, eines von der geheimenHot- und Staatskanzlei, das andere von der Reichskanzlei, machtendem Grafen seine Ernennung zum kaiserlichen, auch k. k. ge-heimen Rath mit dem Range vor dem geheimen Rath GrafenPhilipp von Kobenzl bekannt. Den 9. März dieses Jahres erschiener zum erstenmal als k. geheimer Rath bei der Sitzung desKommercien-Hofrathes, den i3. April gab er den Kammerherren-Schlüssel dem k. k. Oberstkämmerer-Amt zurück.

Die diesmalige Sommerreise hatte die ungarischen Erb-lande zum Gegenstand. Der Graf hatte ein Empfehlungsschreibendes ungarischen Hofkanzlers, Grafen Franz Eszterhazy vom1. Mai 1772, dann eine Note des böhmisch-österreichischenOberstenkanzlers Grafen von Blümegen vom 2. Mai mit einemEmpfehlungsschreiben an den Landes-Administrations-Präsidentendes damals noch nicht Ungarn incorporirten Temeser Banats, GrafenKarl von Clary. Von dem Feldmarschall und Hof Kriegsraths-Präsidenten, Grafen Moriz v. Lacy, erhielt der Graf Empfehlungs-