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Karl Weodor Freiherr von Werstein,
großherzogl. frankfiirt. Staatsminister.
, S. 1182.
Am 8. Nov. 1878 hielt im Verein „Museum" zu Fulda Herr Dr. JustusSchneider, prakt. Arzt daselbst, einen Vortrag über die beiden Regenten Fulda'saus dem Hause Dalberg: Fürstabt Adolf (reg. 1726 bis 1737) und dessenGroßneffen Karl Theodor von Dalberg, Primas des Rheinbundes, welcherals Großherzog von Frankfurt' Fulda von 1810 bis 1813 beherrschte.Was letztern betrifft, so teilte Herr vr. Schneider seinen Zuhörern u. a.Folgendes mit:
Karl Theodor Anton Maria Freiherr von Dalberg, Kämmerer von Worms,erblickte das Licht der Welt am 8. Febr. 1744 zu Hörnsheim als Sohn des Franz Heinrichvon Dalberg, kurpfälz. Kämmerers. Er wurde früh zum geistlichen Stande bestimmt;15 Jahre alt bezog er die Universität Göttingen, später auch Heidelberg. Er machtejuristische Studien und promovierte 1761 zum'vr. der Rechte. In Worms, Mannheimund Mainz wurde dann Theologie studiert. Darauf prakticierte Dalberg bei den kurfürstl.Gerichten in Mainz, wo er sich die Grundsätze aneignete, die er später in seinem Verhaltengegen Rom anwendete. Der Kurfürst ernannte ihn 1772 zum wirkl. Geheimrath undStatthalter von Erfurt. Im Jahre 1780 wurde er auch Domscholaster in Würzburg undPropst von Wächtcrswinkel. Durch Fricdrich's II.. Königs von Preußen, Gesandten Frei-herrn von Stein und den Großherzog Karl August von Weimar wurde es hauptsächlichdurchgesetzt, daß Dalberg am S. Juni 1787 zum Koadjutor und Nachfolger des Kurfürstenvon Mainz erwählt wurde. Kurz darauf wurde er auch zum Koadjutor von Wormsernannt, dessen Bischofsstuhl mit dem Mainzer vereinigt war. Erst am 3. Febr. 1788wurde Dalberg zum Priester und am 31. Aug. zum Bischof von Tarsus r. x. i. geweiht.Vorläufig blieb er noch in Erfurt und nahm nach wie vor an den litterarischen Bestre-bungen der Zeit den regsten Anteil (enge Freundschaft mit Schiller. Wilhelm v. Humboldt).Der Sturm des nun folgenden französischen Krieges riß den Koadjutor jedoch auS seinenSchöngeistereien. Bald nach der Krönung Franz II., am 14. Juli 1732. begann der Ein-marsch der Deutschen in Frankreich unser Preußens Führung Nach der Schlacht beiValmy (20. Sept.) mußten die Preußen über den Rhein zurück gehen, die Franzosen rücktenihnen nach. Kurfürst Friedrich Karl floh aus dem bedrohten Mainz nach Erfurt; am19. Okt. erschien Custine vor Mainz, am 21. wurde ihm die Stadt übergeben, die aberim Juli 1733 von den Verbündeten Deutschen wieder gewonnen wurde, wonach der Kur-fürst zurückkehrte. Der Krieg aber nahm seinen Fortgang. Belgien ging verloren, imOkt 1734 zogen sich die Österreicher auf das rechte Rheinufer zurück. Preußen schloßeinen Separatfrieden mit Frankreich, mit dem Reich aber kam kein Frieden zu Stande;Österreich hielt Luxemburg und Mainz besetzt. Dalberg hielt sich zur Zeit in dem ihmgleichfalls zustehenden Bisthum Konstanz auf ° Nun tauchte Napoleon Bonaparte in Italienauf. durch seine Siege ward Österreich bedrängt, und im Friedcu zu Rastatt 1738 gestanddieses die Abtretung des linken Rheinufers und die Säkularisation der geistlichen Fürsten-thümer zu; nur die drei geistlichen Kurfürsten sollten erhalten bleiben und für ihre Länder-verluste entschädigt werden. Wenn auch durch eine neue Koalition von Österreich, Rußlandund England der Krieg mit Frankreich wieder aufgenommen wurde, so cutschied doch durchMoreau in Deutschland und Napoleon in Italien wieder das Kriegsglück für die Franzosen;der Friede von Luueville (9. Febr. 1801> bestimmte wieder die Abtretung des linken Rhcin-ufers an Frankreich und die^Säkularisation; für die Länderverluste sollten nur die erblichenFürsten entschädigt werden; allein Kurmainz blieb bestehen, und Dalberg folgte demam 25. Juli 1802 verstorbenen Friedrich Karl von Erthal als Kurfürst und Erzkanzler.Selbst Bonaparte befürwortete die Erhaltung der Kurwürde für Dalberg, dessen großenEinfluß in Deutschland er erkannt hatte und später für die französische Politik zu ver-wenden gedachte. In Regensburg wurde 1802 am 2. August die außerordentlicheRcichsdcputation einberufen, welche Dalberg die Kurwürde zusprach. Der erzbischöf-liche Stuhl von Mainz wurde auf das Domstift Regens bürg übertragen Datbergerhielt die Würde eines Kurfürsten-Reichskanzlers. Metropolitan-Erzbischofs von Rcgens-burg und Primas von Deutschland. Inzwischen war Napoleon im Mai 1804 Kaiservon Frankreich geworden; er zeigte sich im September am Rhein zu Köln. Aachen und inMainz, woselbst sich die Fürsten von Baden und Hessen-Darmstadt und Gesandte vonBayern, Württemberg und Nassau einfanden. Auch Dalberg war eingeladen und fandsich bei Napoleon ein. Hier wurde zwar der Rheinbund noch nicht gegründet, aber vor-bereitet. Napoleon sprach sich sehr gegen den russischen Einfluß im Reiche aus und