Gefangenschaft:*) ILM Tchaler Sammlungsgelder und das Privateigenthum Ebcrstein'sfielen in Eckartsberge dem Feinde in die Hände. Die Husaren waren von einem Majorvon Treba befehligt; sie sollen nach Ebcrstein's Angabe 6 Todte gehabt haben; des Ver-lustes seines Dctachements thut derselbe nicht Erwähnung.
Abermals begann nun nach dieser Niederlage eine Zeit des unstätcn llmherziehcnsvon Ort zu Ort; das sächsische Dctachcment richtete zunächst seinen Marsch über Weißenseenach Kammerforst bei Mühlhausen, dann versuchte Eberstcin die Gegend von Neustadta. d. Orla, wo wir demselben zuerst begegnet sind, wiederzugewinnen, gelangte jedoch bloßbis Witterode bei Erfurt, da das ganze Thüringen und westliche Voigtland' von der reti-rierenden Reichsarmee geräumt war.
Das letzte Schreiben (dir. 106) Ebcrstein's aus Witterode ist vom Lg. Juli. Ebensind die ersten Versprengten von dem für die Sachsen so unglücklichen und verlustvollen Treffenam 23. Juli bei Lutternberg (Landwehrhagen) bei ihm angelangt. Sonst enthalten dieletzten Berichte, welche in der Hauptsache nur Wiederholungen der alten bekannten Klagen,besonders über die Reichsarmee bringen, nichts, was noch unser Interesse erregen könnte.Das Sammlungswerk hat seine Thätigkeit noch bis zum Ende des Krieges fortgesetzt, undEberstein scheint auf dem thüring'schcn Schauplätze bis zuletzt verwendet worden zu sein;weitere Berichte an den Kurprinzen sind entweder nicht erstattet worden oder verloren ge-gangen.
Für diejenigen unserer Leser, welche an Eberstein einiges persönliche Interesse ge-wonnen haben, sind wir durch das im Jahre 1865 erschienene Prachtwerk „Geschichte derFreiherren von Eberstein, vonLouis Ferdinand Freiherrn von Eberstcin, kömgl. preußischem Jn-genieurhauptmann a D.," dessen Verfasser, Besitzer von Gehofcn und Aulebcn, jedenfalls eindirekter Abkömmling unseres Karl Friedrichs ist,**) in den Stand gesetzt, weiter hinzuzu-fügen, daß letzterer noch während des Krieges zum Oberstlieutcnant avancierte, wahrschein-lich kurz nach demselben den Abschied nahm und sich nach GeHofen zurückzog. In einemseiner Berichte an den Kurprinzen hatte Eberstcin die Hoffnung ausgesprochen, nach demFrieden die Stelle eines Forstmeisters zu erhalten, da er bei der Feindschaft, die ihm seinlanges Wirken im Interesse des Hceresersatzcs von den verschiedensten Seiten eingetragen,in der Armee sich keine einigermaßen vorteilhafte Laufbahn mehr versprechen könne. Aberauch diese Hoffnung scheint nicht in Erfüllung gegangen zu sein; dagegen war sein Endeso, wie es ein Freund des Waidwerks sich nur wünschen kann: er starb inmitten des grünenWaldes, am 9. März 1785 im Hcygcndorfer Forste, urplötzlich vom Schlage gerührt.
Im Dec. 1764 war er Oberstlieutenant unter dem Prinz EugenischenKavallerie-Regiment und hatte Pretzsch bei Wittenberg zur Garnison.
Mittels Schreibens ä. ä. GeHofen, den 12. März 1785 zeigte „JosepheAdolphine Eleonore Witwe von Eberstcin geb. Frcih. v. Wcrthern" dem Hof-rath v. Eberstein zu Dresden, meinem Großvater, den Tod ihresMannes an:
„Ew. Hochwohlgeboren kann ich mit äußerster Wehmuth unangezeigt nichtlassen, wie es der göttlichen Vorsehung nach ihrem unerforschlichen Rathschlussegefallen hat, mich auf die empfindlichste Art heimzusuchen und mir meinen imLeben herzinnigstgeliebtesten Ehegemahl, den weiland Hochwohlgeb. Herrn, HerrnKarl Friedrich von Eberstein, kurfürstl. sächs. Obrist-Lieutenant. wie auchErb-, Lehn- und Gerichts-Herr auf GeHofen am 9ten bch. Mittags gegen11 Uhr im 6Ssten Jahre seines Alters durch einen unvermutheten starken Schlag-fluß von der Seite zu entnehmen und mich in den betrübten Witben- und meineinziges Kind in vaterlosen Waisen-Stand zu setzen."
Schreiben der „Auguste Friederike Josephe von Eberstcin, des verstorbenenund in konsion gestandenen kursürstl. Dbristlicutenants von Cberstein hinter-lasscncr Tochter" an den Kurfürsten Friedrich August ä. ä. Frohndorf,den 20. Sept. 1793.
Durchl. Kurfürst ?c.! Ich bin nach erlangter Volljährigkeit :c. eines Ge-schlechtsvormunds benöthigt. Da ich nun Vertrauen auf meinen ehemaligen vom
*) Winckel wurde nach Leipzig gebracht und nach einigen Wochen auf Revers nach seinem Gute Obhausen
bei Querfurt entlassen. **) Ich gehöre zur Neuhäuser Linie.