— III -
Verunglückung, durch Sturmwind, Hagel, Platzregen und dergleichen Zufälle die FrüchteSchaden leiden, so kranckets Ihn über alle Massen , und weil er nicht gerne etwas faulesoder untüchtiges mag sehen abfallen, so vergrösserts den Unmuth bei Ihm desto mehr,wann das, was gut ist und schon der Vollkommenheit sich nähert, umbkömpt; Ja, das nochmehr ist, der Baum an und vor sich selbsten, diewcil Er das Mutter-Recht vertritt, wirdeussersten Flcisses seiner Früchte wahrnehmen, und da es ja hart halten svlte, im Noth-fall, was untüchtig ist, lassen fahren, damit Er des Wohlgerahteneu unturbirter Besitzerbleiben möge, Gleichmässig Bewandnüs hat es auch mit denen, welche der grosse GOTTin den vorsorglichen Eltern-Stand gesetzt, und ihre Hertzcn mit wahrer Empfindlichkeit einbrünstiger Liebes-reguug anfüllend beseeliget hat: Mit waS Freuden blickt da ein treugesinntcr Mann und Gemahl seinen blühenden und Frucht-tragenden Ehbaum lseine inSeegen schwebende liebe Ehefrau und Gemahlin) au? Mit was für Sorgfalt hält solcherBaum seine Früchte? Mit was für Beängstigung aber wird behder Gemüth augefochten,wenn nur eine einstige derselben frühzeitig abgerissen wird? Ach da ist Schmertz über allenSchmertz! Und wird nicht nur das Gute und Ausbündige, sondern offtmahls das Wurm-stichtige auch, wiewohl aus ungleichen Ursachen, mit durchdringlichen Seufftzcrn und ermessenden Thränenflüssen beklagt, weil der Tittel der GOttcs-Gabc aus Davids Psalter-Buch von allen seiten her dein Gedächtnüs der Eltern unveränderlich eingedrücket ist.
Was soll man nun, allerseits Hochwehrte, anders von der Edelsten Fracht des Haiti-herrt, Stuunubauins urteilen, zu derer" beylegung Ew, Hcrrt, und Kunst sich so Frcundwilliganhero in gegenwertigen TrancrSaal erhoben? Dann wer weiß nicht, daß die wohlsec-lige Jungser von zarter Kindheit an eine Hochgcpriesene Dorothea und Gabe des Höchstenist gewesen? Wem ist verborgen, daß Ihre Glaubens-Andachts- und keusche Liebes-Früchtesich so häuffig und mit Verwunderung an Ihr erzeiget haben? Daß warlich den abgangdieses anreihenden Tugendspiegels ich ungescheuct vor den größten Verlust bei ergangenenTrauerfalle ussbiiuire, D der tstcurrn und lucrthgelchähtcn Frucht! In welcher alle nurerdcnckliche Annchmligkeiten, die Reitze der ausblühenden und muntern Jahre, die Amnuthdes freundlichen und unsatschc» Gesichts, der Geruch so vieler hochfürtrefflichen Tugenden, dieFarbe der schamhafften und doch lieblichen Wangen, der Gcscinnack des eyfrigcn und sästraren Gehorsams, die Prüfst der Gottesfurcht und vielen Gebcts-Thräncn, ja noch viel mehrEigenschaften sich gleichsam verwunderlich zusammen verschworen hatten, daß, wann ichmeine Sinne aurisur zusammen fasse, und solche rückWerts aufs der JecUgstcn Jungfersxsrnplarische Todes-bereitung führe, ich bey mir anstehe, ob dazumahl Ihre Sehnsuchtmit uns länger zu leben oder der Umstehenden Verlangen mit Ihr seclig zu sterben em-pfindlicher und grösser gewesen setz, Dannenhcro wanns müglich were, deroselben fast un-sträfliche und höchstrühmlich geführten Wandel zeitlichcrweise zu verewigen, so woltc ohnallen Heuchclschein ich behaupten, daß die wohfretige Jungfer ein rechter Schauplatz Mensch-licher Vergötterung eine Krone der Gottsceligkeit, eine Freude der Eltern, ein Ruhm derAnverwandten, eine Scule des Haußwesens, "ein Trost der Nothlcidenden, eine Zuflucht derArmen, ein Labsahl der Kranckcn, und schließlichen eine Zierde des gantzen HochAdcl Ge-schlechts gewesen setz; In Summa: Wie recht Edle Gcmühtcr das alles verwerfflich achten,was vergänglich ist, also hat auch Sie jederzeit sich bemühet, durch Prüfung dieses irrdischenSchattenWescns dem edlen Gcbliite ein noch Edler Gcmühtc mit Würckligkeit bcyzufügcn.Aber was ist's, daß ich Unvermögender mich mehr erkühne als ich thun tan? Wie kommich doch darauf, daß aus dem mir bekantcn Schatten ich das Bild selbsten vorzustellensuche, und warumb schäme ich mich nicht, den lichten SonncnCörpcr mit schwartzcr Kohlengantz ungereimt abzumahlen, und hierdurch aller Kümmernüs, so darumb wissen, mehrals unbedächtiglich zu verstärcken? Ach, es ist ja ohne dem leider jetzt hier schwärst genug!Das Hertz der beydcu Hochbekinnmcrtcn Elter» wiederhvhlet sein Angst-Pressen, damit es denausgemergelten Augen ja an Wasser nicht fehlen soll! Das betrübte Geschwisterlich stelltgleichsam das traurig sehn aufs die wette! Die mitleidigen Annerwandten, Bluts- und Muchs-Freunde, crneurcn den Wehmuth, welchen Sie ehrmahls, so ane als ab-wcsend hiervon em-pfunden haben! Kürtzlich: Das gantze Hauß ist in Trauren versenckt, daß man füglichvon dessen Einwohnern vor ietzo sagen könte:
Wie sich Feld- und Wälder schwärstcn,
Wann die Nacht die Strahlen bricht,
Also gehn die schwärstcn Schmertzen
Durch Ihr trübes Ängcsicht:
Tag wird Ihnen jetzt zur NachtUnd die Nacht zur Quaal gemacht!
Hierbey erinnere ich mich zwar des Gesetzes der Lhdier, Krasft dessen den Eltern, soein Kind eingcbüsset, binnen Jahres frist niemand hat tröstlich zureden dürsten: Alleinedas Himlische Gesetz- und Lehr-Buch gicbt durch den Mund eines Weisen uns weit anderemauste, in dem es solch Jahr in einen Tag verwandelt, und also uns diescsmahl allerVerantwortung befrehet, dafernc wir Kraft haben solten, das erneurte Betrübuüs aufs