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Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
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20O SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF.

tember dieses Jahres verwaltete. Schüchternheit, Misstrauen inseine Kräfte und Ansichten, Abscheu vor dem Gedanken, einMitglied des damaligen Ministeriums zu vertreiben; alle dieseEmpfindungen, welche man sonst Klugheit nennen würde, dieaber an Höfen unbekannt sind und die ein unbegrenzter Ehr-geiz nicht angehört haben würde, hinderten den Grafen, dievortheilhaften und überaus gnädigen Anträge, welche KaiserJosef II. ihm gleich am Tage seiner Ankunft, den ir. Februar,eröffnete,, ohne Bedenken anzunehmen. Es war von nichts wenigerdie Rede, als dass der Graf der eigentliche geheime Finanz-minister im Kabinete des Regenten sein und dabei die an Grund-sätzen so sehr von einander entfernten Hofräthe von Puchbergund Braun zu Räthen unter sich haben sollte. Se. Majestättrugen ihm am 19. durch ein eigenes Handbillet die Verferti-gung eines authentischen Ausweises über die sämmtlichenFinanzen der Monarchie auf, mit Befehl an alle Hofstellen,selbst an die geheime Hof- und Staatskanzlei, ihm alle erforder-lichen Auskünfte zu ertheilen. Se. Majestät erzeigten demGrafen sehr viel Gnade und Zutrauen, gaben ihm eine Woh-nung in der kaiserlichen Burg, befahlen ihm, sich nicht mehrdurch die Kammerherren anmelden zu lassen, sondern zu jederStunde durch die Retirade zu Ihnen zu kommen. Sie befragtenden Grafen über die wichtigsten Gegenstände der Staatshaus-haltung, sonderlich über Finanzen, Auflagen und Handel derösterreichischen Niederlande. Ueber einen von Sr. Majestät selbstdictirten Aufsatz, wie der Tabakspacht aufzuheben und andessen Stelle ein Monopol des ganzen auswärtigen Handels-verkehres zu setzen wäre, forderten allerhöchstdieselben desGrafen Gutachten, und da dieser eigennützige Antrag demKabinete sehr am Herzen lag, so missfiel ohne Zweifel dieFreimüthigkeit, mit welcher der Graf denselben widerlegte. Da-mals bewohnte Papst Pius VI. die kaiserliche Burg vom20. März bis 22. April.

Ganz unerwartet trug Josef II. am 6. April 17S2 demGralen die von seinem ältesten Halbbruder Grafen Ludwig bis1773 bekleidete Präsidentenstelle der k. k. Hof-Rechenkammeran, welche, dem Grafen unbewusst, der Graf Franz Anton vonKhevenhüller-Metsch verlassen hatte, um Gouverneur von Inner-