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Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
Entstehung
Seite
173
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SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF. Iy3

2. Januar 1764, und dann noch einige Nachrichten über Königs-berg, Stettin, Sachsen und Schlesien.

Der kurfürstlich sächsische Cabinetsminister Graf JohannGeorg von Einsiedel trug dem Grafen in einem Schreiben,ddo. Dresden den 26. Januar 1764, im Namen des königlichpolnischen und kursächsischen Prinzen Xaver, als Administratorder Kur, den kurfürstlichen Kammerherrnschlüssel, die Stelleeines Kommercienrathes und 1000 Thaler Besoldung an. DieserAntrag verursachte einen langwierigen und tödtenden Kampfzwischen Kopf und Herzen. Des Grafen Präsident, der einzigeFreund, den er um Rath fragen konnte, erklärte es für offen-baren Undank gegen der Kaiserin-Königin Majestät, die zuWien erlernten Grundsätze gerade in der nämlichen Carriere ineines benachbarten Fürsten Diensten vielleicht gegen das HausOesterreich zu verwenden. Diese seichten Einwürfe geselltensich zu der ausserordentlichen Schüchternheit und dem Miss-trauen des Grafen gegen sich selbst, zu seinen, seiner Mutterund Geschwister in Sachsen geringen Glücksumständen, zu derDankbarkeit gegen seinen Bruder und Wohltbäter zu Wien, zudem guten Rufe, in welchem sein Fleiss hier stand, zu denZweifeln, ob er in Sachsen gleichen Beifall finden werde, zuder Schwierigkeit, bei Ihrer Majestät direct um seine Entlassunganzuhalten, endlich zu den über die Zulässigkeit einer Religions-Veränderung bereits gemachten Betrachtungen.

Der Graf schlug den Antrag mit Dankbarkeit und Ehr-erbietung aus. Kaum aber war dies geschehen, so überfiel ihneine tödtliche Verlegenheit; er glaubte nunmehr unwiderruflichan die k. k. Dienste gefesselt zu sein und demnach der Reli-gion wegen keine Aussicht zu haben, ohne ängstlichen Kummer,ohne Infrigue, ohne niedriges Hofmachen zu einem hinläng-lichen Auskommen zu gelangen. Unerträgliche Unruhe undUngeduld bemächtigten sich aller seiner Seelenkräfte und nöthigtenihn, einen Entschluss zu fassen, den die Vernunft schon längstgutgeheissen und dem blos das Herz und das Gefühl wider-sprachen. Er legte am 14. März 1764 bei dem Prälaten vonSt. Dorothea in Gegenwart Dom Joachimo de Braganza's seinGlaubensbekenntniss ab und trat zur römisch-katholischen Reli-gion über. Dieser muthigen Entschliessung ungeachtet beschämt