66 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF.
mit dem Könige von Preussen hatte der Graf seine Meinungmit vielem Fleisse ausgearbeitet, sie missfiel aber dem Präsi-denten. Der Graf von Zinzendorf hatte seine Ausstellungen ander damaligen Verfassung des Wiener Stadtbanco, an der An-legung neuer Manufacturen in der Hauptstadt, an den Verbots-gesetzen, durch welche der Handel von Ungarn mit fremdenLanden unterbrochen ward, an den Tag gelegt. Er kannte dieVerfassung aller europäischen Banken sowohl, als aller grossenHandlungsgesellschaften; er hatte ganze Stösse aufzuweisen voneigenen Uebersetzungen der besten damaligen Schriftsteller überdie Finanzen und den Handel. „On me reproche, sagt er, d'avoir„des priucipes, de la theorie, d'avoir beaucoup Ii2 — — — —„je suis devenu — — — — un objet de jalousie, et quoique„mon caractere, mes actions, ma vie renfermee, la singularite„de mon coeur, mon peu d'habilete pour mes propres affaires„ne temoignent que trop que je suis incapable d'etre jamais,,intriguant, de me faire valoir aux depens des autres, on me„regarde comme un komme dangereux qu on doit ecarter."
Er verlangte zuletzt, dass ihm der Rang und die Hoffnungdes Avancements durch den Grafen Wrbna nicht benommenwerde oder dass er mit jenem zugleich zum Banco-Hofrath ge-macht würde.
Unterm 28. Februar 1756 hatte indessen der Graf 4000 fl.Besoldung vom 1. März an erhalten.
Den 20. April 1756 wird dem Grafen mittelst Unterschriftder Grafen von Haugwitz und Johann Chotek und des Freiherrnvon Bartenstein bekannt gemacht, „zur Oberaufsicht aller bei„Hof- und Landesgerichts-Stellen angelegt werdenden Deposita,„werde eine eigene Hofcommission und ein Depositenamt ein-geführt. Der locus physicus dazu soll in dem Directorial-„Gebäude ausfindig gemacht und richtige Rechnung geführt„werden. Der wirkliche Kämmerer, auch Hofrath der obersten„Justiz, Graf Franz Ferdinand von Schrattenbach soll die Com-„mission halten, das Präsidium aber, die Scontrirung der Cassa-„Bilanzen und Gebahrung mit den Baargeldern werden dem„Grafen von Zinzendorf anvertraut." Ihm werden zugegebenGraf Franz Anton von Bamberg, k. k. Kämmerer, auch nieder-österreichischer Repräsentations- und Kammerrath, Mathias von