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Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
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SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF.

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sichtszüge angenehm. Von Temperament war er ein Cholerico-Sanguiniker. In einem schönen Körper wohnte eine edle Seele,ein rechtschaffenes, menschenfreundliches Herz. Ein thätigerGeist, unermüdete Arbeitsamkeit, eine lebhafte Einbildungskraft,Scharfsinn und ein forschender Verstand, der geometrisch dachte,seinen Gegenstand im Ganzen sowohl als in allen Theilen übersah,ein glückliches Gedächtniss, eine einnehmende Beredsamkeit,eine grosse Fertigkeit, seine Begriffe mündlich und schriftlichauf das anständigste an den Tag zu legen, alles dieses warenVorzüge unseres Grafen. Er lebte in seinen Geschäften, vergassalles Andere darüber, behandelte alle Gegenstände des Finanz-,Credits- und Staatsrechnungswesens mit einem Geiste der Ord-nung, welchen seinen häuslichen Geschäften zu widmen er sichnicht die Zeit nahm. In seinem äusseren Betragen fand manein wenig Furchtsamkeit und in seinen PrivatangelegenheitenUnentschlossenheit, allein weder Schwermuth noch Ueberdruss.Er war ein gütiger Herr, ein freundlicher Ehemann und Vater,ein vortrefflicher Bruder, der Wohlthäter aller seiner Geschwister,ein eifriger und warmer Patriot.

In der Kindheit war dem Grafen eine scharfe andächtigeErziehung zu Theil geworden; noch als Jüngling von 17 Jahrenhatte ihm des Heilands Menschwerdung, Leiden und Tod sehrlebhafte Eindrücke gegeben.

Im Jahre 1739 war er als Cadet in sächsische Dienstegetreten und hielt sich mit seinem jüngeren Bruder, GrafenMaximilian unter Aufsicht des Hofmeisters M. Mauville zuDresden auf. Dazumal hatte sein Vater durch Vermittlung derkursächsischen Gesandtschaft an dem kaiserlichen Hofe einenVersuch gemacht, jene Bestimmung des Testamentes der GräfinColloredo vom 1. October 1703, kraft deren die protestantischenGrafen von Zinzendorf von der Erbfolge in die Fideicommiss-Herrschaft Enzesfeld ausgeschlossen waren, umzustossen, alleinvergebens. Der 78jährige Graf Ludwig zu Wasserburg, der Letztevon der Georg-Hartmann'schen Linie, war über dieses Unter-nehmen seines Vetters sehr unwillig und schrieb demselben, er,als gegenwärtiger Besitzer der Herrschaft Enzesfeld, werde einesolche Abänderung des gräflich Colloredo'schen Testamentes niegestatten.