Einleitung. Quellen.
ie Dynasten von Reifferscheid, deren Geschichte hier urkundlich behandelt werden soll,haben ihren Namen von der Burg und Herrschaft Reifferscheid in der Eifel. Ihr erstererweislicher Stammvater mütterlicherSeits istAnsebert, wie ich dieses in meiner Geschichteder Dynasten von Bocholtz, Band I. Abth. I. S. 274 nachgewiesen habe, und läuft von ihmdurch Carl den Grossen bis zu Gerberga, der Tochter des Herzogs Carl von Nieder-Loth-ringen, von dem ich hier nachholen muss, dass er zwei Frauen: 1. Bonne von den Ardennen,2. Agnes von Troyes hatte, vierzehn Generationen ihr Blut durch die Carolinger. Jene Tochterheirathete Lambert Grafen von Löwen, und hinterliess nur eine Tochter, welche Friedrich vonLuxemburg, den ersten erweislichen väterlichen Stammvater des Reifferscheider Geschlechtszu ihrem Eheherrn wählte; denn Friedrichs Enkel wurde Stammvater der Herzoge von Limburg undaus diesen ging die Secundogenitur Reifferscheid hervor, wie unten erwiesen werden soll. DasGeschlecht erfreut sich also eines mehr als dreizehnhundertjährigeu Bestehens , dessen Nachweiskeinem anderen deutschen Geschlechte gelingen möchte. Den Beinamen Salm erhielt es erst durchdie Ererbung der Grafschaft Salm 1414.
Die Quellen, woraus gegenwärtige Geschichte geschöpft wurde, bestehen fasst ausschliesslich in Urkun-den, welche theils in öffentlichen, theils in den Haus-Archiven beruhen. Die Erstercn sind in dem 2. Bandedieses Werks, so weit sie damals ermittelt werden konnten, abgedruckt: seitdem habe ich noch viele neuein den Archiven von Brüssel, Coblenz, Dortmund, Düsseldorf, Grafen-Haag, Luxemburg, Paris entdeckt,die im Laufe der Darstellung ihre Stelle finden werden.
Das eigentliche Hausarchiv beruhte vormals in Bedbur; nach den darüber erhaltenen Acten-Notizenund Bruchstücken der Verzeichnisse enthielt es einen Schatz von sehr altem und inhaltreichen Urkunden,worauf auch die Thatsache hinweisst, dass unter den wenigen, daraus erhaltenen Originalen zwei aus demEnde des 13. Jahrhunderts auf dem Rücken mit hohen Register-Nummern versehen sind, also viele, ältereVorgänger hatten. Jetzt ist dieses Archiv bis auf wenige Reste spurlos verschwunden. Graf Friedrich Carlvon Limburg, als Vormund der Grafen von Salm-Reifferscheid, berichtete darüber am 1. Juni 1759 an denLehnshof zu Luxemburg: ') dass das Famiiien-Archiv im Jahre 1758 wegen der feindlichen Einfälle der Han-noveraner aus Bedbur geflüchtet, aber bis jetzt noch nicht zurückgekommen sei. Ob nun auf dieser Flucht,oder in Folge der Besitznahme Bedburs durch die Franzosen 1795, das Archiv verlorenging, vermochte ichnicht zu ermitteln. Das Letztere ist um deswillen sehr unwahrscheinlich, weil die französische Regierungüberall die grösste Sorgfalt auf die Archive verwendet hat.
Jetzt bestehen noch drei Hausarchive: zu Dyck, Raitz und Herschberg. Von diesen ist das ersterevon grossem Belange; es enthält einige tausend Pergament - und Papierurkunden (letztere 200 Bändeneinverleibt); mehrere hundert Bände Lehns-, Grund- uud Gerichtsbücher, Weisthümer, Landtags-Verhand-lungen, Missive, Prozesse, Personalien, viele Aufschwörungen, Carten etc.
') Originalschreiben im Archiv zu Luxemburg, siehe auch II. S. 324 N. 453.