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2 (1869) Altvordern und Stammeltern
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gen und sich zu vervollkommnen. Daß Du diese Gesinnunghabest, trauen wir beide Dir zu. Doch hat man Ursache übersich zu wachen nicht allein um sich in der Demuth zu erhaltensondern auch um nicht bitter gegen Andere zu werden, die unsereVerdienste nicht gehörig anerkennen. Ich komme noch aufDein letztgeschriebenes Buch,^) welches Dir bei Unpartheiischenviel Ehre und Beifall gebracht, wie Du sagst, das aber demguten Vater nicht recht behagt zu haben Dir geschienen hätte.Ohne im Ganzen diese Arbeit tadeln zu wollen noch ihr Gehaltabzusprechen hat er nur dies ungern darin bemerkt, daß Dudem Könige von Sachsen so wenig Verdienstliches einräumst.Und ich muß Dir bekennen, lieber August, ohne mich als Beur-theilerin aufwerfen zu wollen, ich habe dieselbe Meinung. Sieist nicht aufgenommen vom Vater sondern kommt aus meinen:eigenen Herzen. Bevor er noch etwas darüber gesprochen hatte,so dachte ich bei mir selbst: er läßt dem König von Sachsen zuwenig Gerechtigkeit wiederfahren, und der Versuch zur Sühnekann hier wohl nicht gelingen. Dies hat auch der Erfolg bewie-sen. So gut das Ausgesprochene von Preußen aufgenommenwerden mag, so wenig Eingang möchte es bei den Sachsen fin-den." Die große Nähe des Wohnortes und der dadurch begün-stigte persönliche und schriftliche Verkehr neben ähnlichen Schick-salen und Einklang in Bildung und Seelenstimmung hatte einin dhw Briefen der Mutter häufig ausgesprochenes Verhältnißzu ihrer ältesten Schwiegertochter von immer wachsender Jnnig-> keit begünstigt. Außer den gelegentlich schon angeführten Zeug-nissen nur noch dieses:O meine gute Tochter nur Ihre unbe-schreibliche Liebe Ihr unbegrenztes Vertrauen zu uns läßt Siemanche Vollkommenheiten in uns finden, die eigentlich nur inunseren: Wollen und nicht so ganz in der Wirklichkeit bestehen. Dochwahr ists, wenn Seelen sich zusammenfinden, die gleich mitfüh-len ziemlich gleichseitige Ansichten haben, wie es doch wohl unteruns der Fall ist, so hat schon diese Uebereinstimmung etwas

1) Die Preußen und die Sachsen in ihrem sittlich-bürgerlichen Gegen-satz geschichtlich dargestellt. Ein Sühneversuch zwischen beiden Völkern.Halle. 181S.