Druckschrift 
2 (1877)
Entstehung
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372
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in Wien bei Hofe in Erfahrung gebracht, daß Hartmann vonLiechtenstein nach seinem gewonnenen Processe von Ostfricslanddie Summe von 200.000 Gulden ausbezahlt erhalten habe, unddaß dieses Geld in Augsburg liege. Das war im Jahre 1664,dem Jahre der Schlacht bei St. Gotthardt, einer Zeit großerTnrkennoth. Daher erhielt Hartmann von Seiten des Hof-kammerpräsidenten ein Schreiben, in welchem er bei der großenRoth des Vaterlandes im Auftrage des Kaisers ersucht wurde,diese Summe zu einem Darlehen für sechspercentige Zinsen zugewähren. Ob und wie weit es geschehen, läßt sich nicht sagen.Es blieb aber Hartmann noch eine Forderung an Ostfriesland,welche im Jahre nach seinem Tode mit 300.000 Gulden an-gegeben wird. Davon sind die Interessen vom Jahre 1681 bis1686 an die Familie Liechtenstein entrichtet worden. DieseSchuld wurde am 1. December 1687 dem Kaiser cedirt. DerKurfürst von Brandenburg, der, wie schon oben angegebenworden, die Liechtensteinischen Anrechte auf die ostfriesischen Herr-schaften erhielt, berichtete die Schuld mit 240.000 Thalcrn').Damit endeten die Ansprüche auf die eine Hälfte der ostfriesischenErbschaft, nämlich auf die drei Herrschasten, nicht aber diejenigenauf die Grafschaft Rietberg.

Fürst Hartmann residirte gewöhnlich in Wilfersdorf, demSitze seines Vaters, zu Wien aber bewohnte er das Palais aufdem Bauernmarkt. Er starb auch zu Wilfersdorf am 11. Fe-bruar 1686 und wurde daselbst in der Kirche beigesetzt. SeineGemahlin, die Fürstin Sidonie Elisabeth, überlebte ihn nurkurze Zeit; sie starb am 23. September 1688 und wurde anseiner Seite beerdigt.

Der langen und glücklichen Ehe entstammten eine großeZahl von Kindern, aber der größte Theil von ihnen überlebtenicht die Aelteru; mehrere starben gleich nach der Geburt. Vonmehr denn zwanzig Kindern blieben nur acht bis zu dem Tode

') Archiv des Finanzminist.