Druckschrift 
3 (1882)
Entstehung
Seite
344
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Auch Karls nächstfolgender Bruder Wenzel (oder mitvollem Namen nach seinem Großohcim dem Feldmarschall JosephWenzel genannt) hatte bemcrkcnswerthe Schicksale. Geboren am21. August 1767, aufgeweckten Geistes, aber leichten Bültes,wurde er früh dem geistlichen Stande bestimmt ein höchstseltener Fall im Hause Liechtenstein. Nur einmal früher hatteein Mitglied des Hauses Georg, Bischof von Tricnt und vor-dem Domherr bei St. Stephan in Wien, die geistliche Laufbahnergriffen und hatte es darin zu Würde und Namen gebracht,aber was ihn ausgezeichnet hatte, war nicht seine geistliche Wirk-samkeit, sondern die kriegerischen Thatcn und Begebenheiten seinesLebens, wie sie oben im ersten Bande dieses Werkes dargestelltworden sind. Fürst Wenzel wurde der Kirche geweiht und endete,nicht als kriegerischer Bischof, wohl aber als General.

Da der Knabe zum Geistlichen bestimmt war, so präscn-tirte ihn sein Vater schon im Jahre 1774 dem Domstift inKöln, zu welchem Zweck er eine ausgeführte Genealogie desHauses anfertigen ließ, worin insbesondere der Nachweis derAbstammung vom Hause Este zu führen versucht wird. DieVerhandlungen zogen sich noch bis 1788 in die Länge undscheinen nicht zum Ziele geführt zu haben'). 1786 wurde FürstWenzel dann nach Rom geschickt, um Theologie zu studieren,allein, wie es scheint, war man dort nicht zufrieden. Auf denRath des Cardinals Garampi wurde er von dort wieder weg-genommen und in ein französisches Seminar geschickt. So lernteer viele Sprachen. Im Jahre 1792 wurde er Subdiacon, machteim nächsten Reisen in Deutschland und England und wurde 1794Domherr in Salzburg. Jedoch, seinem Temperament entspre-chend, fand er auch Gefallen an der Jagd und trieb kriegerischeHebungen, als wollte er sich zu neuem, seinen Neigungen mehrzusagendem Stande vorbereiten. Kaiser Franz, der das sah underkannte, und nach seinen Talenten und Fähigkeiten auch gute

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