— 149 —
„Monscigncur!
Ich habe schon das Vergnügen gehabt, Enrer Durchlauchtmeine neue Commissiou zn melden. Seitdem habe ich eineFahrt gemacht, nachdem ich die Erlaubniß erhalten, und ich habevon unserem erlauchten Freunde den zärtlichsten Abschied vonder Welt genommen. Er hat mich versichert, daß weder dieAbwesenheit noch die Zeit im Geringsten die Gefühle ändernwürden, mit denen er mich beehrt. Ich habe ihn ksta ketosechs Tage hinter einander gesehen von 6 Uhr bis 10 und 11 Uhrdes Abends; ich habe nur den letzten Abend mit ihm soupirt,aus Ursache gewisser Rücksichten, welche er, wie Sic wissen,nehmen muß, wenn alle Welt in der Stadt') ist. Ich kannmir schmeicheln, daß er mir sein Herz in langen Unterredungengeöffnet hat, und daß er mir sichere Zeichen seines Vertrauenshat geben wollen, was ich nur Ihnen also sagen kann, Mon-seigncur, weil es nicht geschieht, um mich zu rühmen. WelcheGesinnungen habe ich nicht in ihm entdeckt, außer denen, dieich schon kannte! Was würde ich seine zukünftigen Unterthanenbeklagen, wenn er niemals ihr Herr werden sollte! Wenn einVater seinen Sohn kennte, wie ich ihn kenne, er würde ihn an-beten. Glauben Sie, Monseigneur, daß er das Gehcimniß ge-funden hat, sich glücklich zu machen allein durch sein Raisonne-ment. Ich stehe Ihnen gut, daß er es vollkommen sein würde,wenn er jährlich ein Dutzend tausend Thaler mehr auszugebenhätte, denn es ist leicht zu berechnen, daß er nicht genug hat,um nur der Nothwendigkeit zu genügen, und er schafft seinenHaushofmeister ab, weil er ihn zu Ausgaben veranlaßt, die ernicht mehr bezahlen kann. Wir täuschten uns, wenn wir glaubten,daß er Hülfe von seinem Schwager erhielte. Ich habe ihn darnachgefragt, und er hat mir gesagt, daß er es wohl gewollt hätte,
0 Berlin.