Spanien begab er sich nach Frankfurt, ihn wiederzusehen, undwar bei den Krönungsfcierlichkcitcn Karls VI, anwesend, beiwelcher Gelegenheit er zum kaiserlichen Kämmerer ernannt wnrdc.
Nachdem er 1721 die Regierung angetreten hatte, erhielter gleich darauf am 23. November') das goldene Vließ undwurde am 23. Februar 1723 zum wirklichen geheimen Rathmit Sitz und Stimme im Collegio ernannt. Weiter trat ernicht in den Staatsdienst, nur im Jahre 1730 wurde er alskaiserlicher Principalcommissär zum Fürstentage nach Schlesiengesendet. In demselben Jahre bcthciligtc er sich auch mit50,000 Gulden an der außerordentlichen Staatshülfc, die miteiner Million Gulden ausgeschrieben war2).
Fürst Joseph zog es vor, statt wie sein Vater in kaiser-lichen Diensten zu bleiben, Zeit und Sorgfalt der Verwaltungseiner großen Güter zu widmen. Er war ein kluger und spar-samer Haushalter, der seinen Hofstaat nach dem Stande ein-richtete, aber nichts Ueberflüssiges duldete. So gelang es ihm,die nicht geringen Schulden seines Vaters, die schon mit den Re-präsentationsausgabcn in Rom begonnen hatten, in kurzer Zeitzu tilgen. Er endigte auch auf friedlichem Wege die Processi undStreitigkeiten mit seinen Verwandten, die er von seinem Vaterher überkommen hatte, wie das bereits erzählt worden ist.
Das Gleiche versuchte er in der ostfricsischen Angelegenheit,die insbesondere um die Grafschaft Rittberg immer von neuemwieder auflebte. Zumal geschah es wiederum, als die Johannes-linie des ostfricsischen Fürstenhauses, welche bis dahin im Be-sitze der Grafschaft gewesen war, männlicherscits ausstarb unddie einzige Erbtochtcr Maria Ernestine! Franziska die Grafschaftund alle Rechte, die sie sonst an ostfriesisches Land besaß, anihren Gemahl, den Grafen Maximilian Ulrich von Kaunitz
0 Lüchtens!. Archiv X 15ö.
2) Archiv des Finanzminist.
2) S. den Stammbaum oben im Bd. II. 29S.