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An der Spitze seiner Haufen, denen die Fahne des Kreuzes vorangetragenwurde, erschien „Armleder" auch vor mehreren Städten des Elsaßes und ver-langte, sich ans seine Sendung von Oben berufend, Einlaß, um an den Judendas göttliche Strafgericht zu vollziehen. Ohne Widerstand zu leisten, ja mit Ver-gnügen öffnete man ihm mitunter die Thore und half sogar seiner Rotte dieJuden mit Weib und Kind umbringen. ^ So sollen in den Städten Ruf ach,Ensisheim und an andern Orten mehr als 1500 derselben elendiglich umge-kommen seyn. Die Leichname der Ermordeten wurden in Massen aus den Städtenhinaus geführt, in's Wasser geworfen, oder in Haufen aufgeschichtet verbrannt.Die Kunde von diesen Gräueln verbreitete sich schnell in den elsäßischen Landenund erfüllte die Judenschaft mit Schrecken. Unter den mit einem Ueberfall vonder Armleder'schen Schaar bedrohten Juden ermordeten viele ihre eigenen Kin-der, damit diese nicht aus Furcht vor dein Tode, zum Christenthum übergehenkönnten. Aus der Umgegend der Reichsstadt Colmar flohen alle Juden in derenMauern und flehten die Bürger um Schutz an. Nachdem „Künig Armleder"dies erfahren, zog er in großem Zorn vor die Stadt und verlangte die Aus-lieferung der aufgenommenen Juden. Weil man aber solches verweigerte, beschloßer an den Einwohnern von Colmar Rache zu nehmen. Er belagerte die Stadtmit seinen zahlreichen Haufen, an deren Spitze sich auch eiuige von dem niederenAdel gestellt hatten (s. oben S. 2lt), Note 2) und hinderte sehr den Verkehr unddie ländlichen Geschäfte der Bürger. Hiedurch entstand in der Stadt selbst einegroße und gefährliche Spaltung. Das gemeine Volk verlangte die Austreibungder Juden, die Reichen aber schützten diese aus allen Kräften. So entstandenschreckliche Wirren und blutige Verfolgungen. Reiche Bürger, welche die Judenvertheidigten, wurden verwundet. Endlich zog „Armleder" unverrichteter Sachevon Colmar ab in ein benachbartes Dorf, wo sich viele aus den untersten Stän-den der Stadt bei ihm einfanden.
Inzwischen war K. Ludwig iu's Elsaß gekommen. Er schlug zur Fasten-zeit des Jahres 1333 mit seiner Gemahlin in Colmar seinen Hof auf uud nahmsich zum großen Mißfallen der Kaiserin 2 der Inden warm an. — Armleder hattesich bei Annäherung des K. Ludwig nach Frankreich gezogen, erschien aber, als
! Oberrh. Chr. S. 35. — „kling Arnleder — leit (legt) sich viir die vestinen und gewanir vil und schlugent die Juden, die si da inue vundsn, beide wip und kint, jung uud alt äne zal."
2 Diese, Margaretha, Tochter des Grafen von Holland, habe, erzählt der gleichzeitige Jo-hannes von Wiuterthur, ihrem kaiserlichen Gemahl durch den Truchseßeu zwei gebratene Hahnenvorsetzen lassen, und als derselbe solche mit Unwillen wegtragen ließ und seine Gemahlin zuRede stellte, warum sie ihm solche von der Kirche zur Fastenzeit verbotene Speise habe bereitenlassen, geantwortet: da es mir scheint, ihr wollet als Freund der Juden es mit diesen halten,so däuchte mich, ihr werdet euch auch sonst nach denselben richten und das denselben jetzt erlaubteFleisch essen. Hierauf setze der Kaiser in sich gegangen und habe betroffen erwiedert, es reueihn, solches gethan zu haben, und er werde sich künftig bessern.