gehörten 330 der theologischen, >45 der juristischen, 72 ver meviciniscben,50 der philosophischen Fakultät an.
Unter den königlichen Gebäuden ist außerdem bcmerkenswerthdas Kreisgerichtsgebäude, welches >85l auch mit einem sehr ge-räumigen Saale für die Schwurgerichtssitzungen ausgestattet ist. DasKreisgericht mit den damit verbundenen Anstalten hatte >840 über 80Ober- und Unterbeamte. Dem Schöppenstuhle ward >7>6 vas Berg-gericht jfür die Stadt) und >722 das Thalgericht (für die Salinen)einverleibt. Nachdem >8>5 an die Stelle des westfälischen Civiliribunalsdas Landgericht getreten war, erhielt dieses I32l den Namen des Land-und Stadtgerichts, >849 des Kreisgerichts. Mit ihm ist in derselbenZeit das Kriminalgericht und das Patrimonal-Gericht vereinigt. Einsder stattlichsten Gebäude ist das der königl. Post, dessen Bau im Jahre>840 beendet ward. Es arbeiten bei dem Postamte l Direktor, 10Sekretäre und 38 Unterbeamte. — Das Oberbergamt der ProvinzSachsen, welches in Halle seinen Sitz und ein eigenes Halls, dieehemalige erzbischössicheKammer, innehat, besteht aus 18Beamten. Vonihm hangen indirekt die privatlichen oder städtischen und direkt dieKönigl. Salinen ab, deren Etablissements sich auf einer Saalinselbei der Stadt befinden und aus einer großen Zahl einzelner, meist bis>806 vollendeter, Gebäude bestehen. Die dabei angestellten Arbeiter,nach vielen Abstufungen geordnet, bilden gleich den bergmännischenKnappschaften eine geschlossene Vereinigung, und gehören meist demStamme der Wasser- und feuerkundigen Halloren an, welche wahrschein-lich die Reste der einst in den hiesigen Gegenden ansässigen Wendensind. Die Königl. Salinen erhalten die Soole durch eine gußeiserneRöhrenleitung aus dein Gutjahrsbrunnen in der sogenannten Halle, wosich die pfännerschaftlichen oder Privat-Salinen mit dem Thalamt be-finden. Der Königliche oder der Landesantheil schreibt sich in seinenAnfängen von demjenigen Antheile her, welchen sich in früheren Zeitenbei dem Uebergange aus dem Lehengute in das Privateigentum dieErzbischöse von Magdeburg zu eigen zu machen gewußt haben, wozudie sog. Ertrasoole (seit 1686) kam. Die gesammten Salinen bereiten jetztjährlich ein Quantum Salz von 214000 Centnern, wovon >3>000 auf dieköniglichen und 83000 auf die pfännerschaftlichen kommen. Eineregelmäßige stehende Garnison hat die Stadt seit >848 nicht mehr;dagegen ein königl. Rentamt, sowie ein Hauptsteueramt mit 40Beamten. Ferner haben das Landrath samt und die Kreiskasse desSaalkreises, so wie mehre andere königliche Behörden in Halle ihrenSitz. — Der zum größten Theile aus Staatsmitteln erbaute Brücken-zug über die Saale und die Saalniedernng besteht aus 4 steinernen
Brücken und einem, eine Viertelstunde langen sehr bedeutenden Damme.Die Hauptbrücke führt ihren Namen von der Königin Elisabeth, underfolgte die Einweihung durch den König und die Königin persönlichim Jahre >843. Die eigentliche Schiffbarkeit der Saale datirt von den>608 fertig gewordenen steinernen Schleusen, welche später mehrfachvervollkommnet worden sind.
Von alten Ruinen heben wir, außer einem noch ziemlich gut er-haltenen runden Thurme in der Leipziger Straße, welcher früher zu derRingmauer gehörte, innerhalb der Stadt nur die Moritz bürg hervor/zu welcher Erzbischof Ernst am 25. Mai 1484 den Grundstein legteund welche im Jahre >503 vollendet ward, um als Zwingburg gegendie ungehorsame Stadt zu dienen. Sie brannte am 7. Januar l637bis auf das außergewöhnlich starke Mauerwerk nieder, und ist seitdemnie wieder ausgebaut worden. Ein Flügel derselben dient jetzt zumBetriebsgebäude einer Oelraffinerie, ein anderer ist zum Militärlazaretheingerichtet, während andere Theile zu Privatwohnungen dienen. DenNamen führt die Burg von dem heiligen Mauritius. — Unmittelbarbei der Stadt, nördlich am rechten Saalufer, stand das ehemalige, reichausgestattete Augustiner-Kloster zum Neuen Werk, zu welchem Erz-bischof Adelgotus oder Adolph !1>6 den Grund legte, und welchen: nichtbloß alle Kirchen in Halle — bis auf die dem Augustiner-Orden nichtungehörigen Klosterkirchen und die dazu gehörigen Kapellen -, sondernauch die Gerichtsbarkeit der Stadt und eines weiten Umkreises unter-geben waren. Im Jahre >530 ließ es Cardinal Albrecht bis auf einigeReste abbrechen. Diese dienen jetzt einer darin befindlichen Cichorien-fabrik. — Unweit der Burgruine G i eb ich enstein (eine Viertelstunde vorder Stadt gelegen), deren Domaine gleiches Namens eine der größestenin der Provinz ist, befindet sich das romantisch gelegene SoolbadWittekind, welches im Jahre >846 von einem Privatmanne eröffnetund zu Ehren des Sachsenherzogs Wittekind, welchem Karl der Großedie vasigen Salzquellen geschenkt haben soll, mit dessen Namen belegtwurde. — Unweit des Neuen Werks steht die im Jahre >842 vollendete undbezogene großartigeStrafanftalt, ursprünglich für 4>0 Gefangene undmit 70 Jsolirzellen eingerichtet. Es sind aber in ihr gegenwärtig 466Gefangene, zum Theil auch politische, untergebracht, und wird beab-sichtigt, den einen von den 3 Flügeln zu erweitern. Die Anstalt, derenSystem zwischen dem pcnnsylvanischen und auburn'schen Systeme dieMitte hält, hat in ihrem Hauptgebäude auch eine Kirche mit einemPrediger. — Nordwestlich eine halbe Stunde von der Stadt, am linkenSaaluser, steht die noch nickt ganz vollendete Irre nheil - Anstaltfür die Provinz Sachsen.
G c j ch
Wenn es bei irgend einer Stadt zutrifft, daß lhr Name ihregeschichtlichen Anfänge deutet, so ist dies bei Halle der Fall. Man hat zwarden Namen von den bedachten Räumen ableiten wollen, welche sich infrühesten Zeiten namentlich auf den Messen hier befunden, indeß ist esviel wahrscheinlicher, daß derselbe von dein griechischen Worte «4? (Salz)herstammt, und das um so mehr, als viele alte Salzstädte diesen odereinen ganz ähnlichen Namen führen. Mindestens in den früheren Jahr-hunderten sind die Geschicke der Stadt wesentlich durch ihre Salzquellenbedingt worden. Wenn nicht positivere Gegenbeweise aufgestellt werden/als es bis jetzt geschehen ist, so kann man es als sehr wahrscheinlichbetrachten, daß unter den Salzquellen, um welche sich (nach 'I'-miin-,,ännalen >3, 57) im Jahre 58 nach Christo die Hermunduren und dieEatten stritten, die hiesigen zu verstehen seien. Andere denken anqrankenhausen. In jenen Zeiten saßen in den hiesigen Gegenden dieHermunduren, eine Weile wohl auch die Longobarden, worauf die Thü-ringer die Herren des Landes wurden, denen die Franken folgten, welchewiederum den Sachsen weichen mußten, bis diese durch Karl den Großenüberwunden wurden. Unter den Wechselfällen dieser Kämpfe drangenZu verichicdenen Zeiten, besonders im 6. und 7. Jahrhunderte, dievrden-Wenden aus der Lausitz und dem Meißnischen bis an die Saale
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und vielleicht noch weiter westwärts vor; als Ueberbleibsel von ihnenwerden die Halloren betrachtet, welche, ausschließlich in Halle woh-nend und meist bei den Salzwerken beschäftigt, in Körperbau und Trachtsich von den übrigen Einwohnern wesentlich unterscheiden. Erst aus denZeiten Karls des Großen treten bestimmtere Namen und Ereignisse auf.Der genannte soll einen Sohn des Sachsenherzogs Wittekind zumGrasen von Wettin erhoben und mit den Ländern zwischen Fuhne,Saale und Elster belehnt haben. Andererseits berichtet das (llnnniaon.»„issüiemisi.', daß ein Sohn des großen Kaisers Karl, Karl, auf einemZuge gegen die Wenden im I. 806 an der Saale eine Burg mit demNamen Halla errichtet habe. Es ist nicht wahrscheinlich, daß dies dieBurg Giebichenstein, vielmehr daß es wirklich eine militärische Nieder-lassung an der Stelle gewesen sei, wo jetzt Halle steht. Es kann mitSicherheit angenommen werden, daß in der Zeit, wo Kaiser Heinrich !.die Hunnen bei Keuschberg schlug (933), die Burg Halla bereits ge-standen hat. Von Wittekind's Erben nun, namentlich von dem kinder-losen Grafen Niddag zu Merseburg, seien die Privatgüter an den Kai-ser Otto I. gekommen. Dieser führte in den Gegenden an der Elbeund Saale vas Christenthum nachhaltiger ein, als es früher geschehenwar, und stiftete namentlich die Kirche und das Erzbisthum zu Magde-