Druckschrift 
1 (1856)
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Burg Hanstein.

S9

die massiven Thürme und sehr große Keller; Knechte und Mägdesuchten in Ställen und auf dem Bodenräume ihre Schlafstellen undfür alle übrigen Haus- und Wirthschaftsgcschäfte war der Hof vor-handen. Es war daher möglich, daß in den engen Räumen einerBurg zwei, drei und mehr Familien ihr, wie es schien, ganz be-quemes Unterkommen fanden. Sicherheit für ein mit Gefahrenumgebenes Daseyn zu erreichen', war der Hauptzweck der Burgen;war dieser erreicht, so war Alles erreicht.

3) Deswegen gewährte eine Burg das Ansetzn und den An-blick einer bevölkerten Stadt, welche sich in ihrem ganzen Wesen nachden Burgen richtete. So wie in den engen krummen und demTageslicht fast entzogenen Gassen einer allen Stadt alle Gewerbeihre Geschäfte außer dem Hause trieben, sobald es nur die Witte-rung erlaubte, so war auf den engen und eingeschlossenen Höfender Burg ein äußerst lebendiges Treiben wahrzunehmen; da wurdefür den Lebensunterhalt gearbeitet, gebacken, gebraut, geschlachtet,gezimmert, Leder und Leinwand verarbeitet, die Handmühlcn inThätigkeit gesetzt, Pferde beschlagen, Waffen geschmiedet und mitunermüvlichem Eifer brach man durch die Felsen, um einen Brunnenzu gewinnen. Alles, wie in den Städten, welche mit ihren Thoren,Mauern, Thürmen und bewachten Pforten nur erweiterte Burgenwaren, weswegen die Bewohner auch Lui^euses, Bürger, undumgekehrt die Burg zuweilen oppiüum, die Stadt genannt wurde.

ä) Eine andere Aehnlichkcit zwischen Stadt und Burg ergibtsich, wenn wir die Größe und Herrlichkeit der Kirchen im Gegen-satz mit den unscheinbaren Häusern berücksichtigen. Welche bewunde-rungswürdige Dome haben die Städte erhoben, deren Bewohnerfast in Hütten lebten. Auch in den Burgen war die Kapelle derManzpunkt. Ihr war der schönste Theil der Burg geweiht, und

Auch ein solcher Brunnen zeigte sich in den Ruinen noch 1790, gleich rechtsbeim Eingang in die Burg in einem Raume, der nach den sehr sichtbarenSpuren eines großen Schornsteins die Küche gewesen. Das Einwerfeneines Steins in den Brunnen zeigte damals noch seine große Tiefe, die sichjetzt durch diese Versuche und dnrch Einstürzen von Mauern ganz ver-loren hat und selbst der Platz nicht mehr sichtbar ist.