22 Geschichte des Eichsfeldes.
lässigte Eichsscld sendeten sich einige Strahlen des befruchtendenLichtes; allein es ist auch nicht zu läugncn, daß Vieles übereiltwurde, und daß namentlich in den höhern Ständen das Beispieldes Hofes wenig günstig auf die Sittlichkeit wirkte. Der Ernst desLebens war verschwunden, die Banden der Gesellschaft lösten sichund es bedürfte nur des Herannahens der Revolutionstruppen, soertönte in den Straßen der uralten Bischofsstadt das ?a irs unddie Freiheitshymne.
Bei dem Streben nach Ausklärung traten dem Kurfürsten dieJesuiten nicht mehr entgegen. Schon sein Vorgänger, EmmerichJoseph (1 11. Juni 1774) hatte die Aufhebungsbulle: Dammrissekörlemtor iroster mit solchem Eifer im Erzstifte vollziehen lassen,daß die in Heiligenstadt versammelten Väter gleichsam überfallen undam 10. Septb. 1773 in aller Frühe aufgehoben und in verschiedeneKlöster vertheilt wurden. Man freute sich damals, zu voreilig,eines Triumphes, der in Mainz mit geräuschvollem Jubel begrüßtwurde, auf dem Eichsfelde aber nicht gleichen Anklang fand, da dieJesuiten im Collcgium zu Heiligcnstadt sich durch uneigennützigeErtheilung des Unterrichts beliebt gemacht und ihrer gleichsam an-geborenen Vcrfolgungssucht entsagt zu haben schienen. Man achtetesie als gebildete Männer und fand keinen Grund mehr, sie zu fürchtenund zu hassen. ^)
Die Eichsfcldcr hatten Jahrhunderte hindurch ihren Oberhirtennicht in ihrer Mitte gesehen, denn der Besuch der flüchtigen Erzbi-schöfe in den Fehden des Mittelalters (1373-1390) ist kaum zurechnen und seit dem Erzbischof Daniel im I. 1574 Heiligenstadtzum Zwecke seiner katholischen Reformation besucht hatte, war nurJohann Philipp 1067 seinem Beispiele gefolgt. Um so größer wardie Freude, als Friedrich Carl Joseph 1777 die Hciligenstädter mitseiner Gegenwart beehrte, eine Begebenheit, welche man sogar durch
Man weiß, wie Friedrich d. Gr. über sie dachte, indem er ihnen in seinemSchlesien den Schutz gewährte, welchen die katholische Welt ihnen versagte.Weniger bekannt ist es, daß auch Landgraf Friedrich II. von Hessen sichzu ihren Gunsten bei dem Erzbischof von Trier, der zugleich Bischof vonPaderborn war, mit großem Eiser verwandte.