Taufende von Verwundeten mußten in die Lazarethegebracht werden. Die Theilnahme für die Tapferen warim Lande allenthalben recht erfreulich. Die freie Licbcs-thätigkeit entwickelte ein weites Feld, sowohl in den Kriegs-als auch in den Hülfslazarethen. Auch viele Privatkrankcn-pslcge that ihr Möglichstes. Die Diaconissen-Anstaltenund Brüderhäuscr schickten Krankenpfleger und Helfer, dennviele Kräfte waren nöthig, nm baldige Hillfe zu bringen.Da zog der Lindenhof auch seine irgend entbehrlichen Kräftezusammen und schickte drei Brüder als Krankenpfleger indas Hülfslazarcth nach Hoym im Herzogthum Anhalt.Unter diesen Dreien war auch unser bisherige GehülfeMünchow, der drei Jahre bei uns gewesen war. Diegeringe Zahl unserer Zöglinge, sieben, gab unsererseitskeine Veranlassung, ihn der augenblicklich wichtigeren vater-ländischen Noth zu entziehen. Waren doch allenthalben dieAnsprüche groß und das Elend viel. Es mußte also auchbei uns eine andere Einrichtung getroffen werden nnd wirwaren ja auch früher so fertig geworden.
Aus unserm Dorfe waren 9 Mann eingezogen insHeer nnd auch der Lehrer Futh mußte sein sechswöchent-lichcs Exercitium machen. Dadurch wurde eine Verwaltungder Kirche nnd Schule während seiner Abwesenheit nöthig.Ich hatte bei früheren Vakanzen nach der Absetzung desalten Lehrers Eichhorst die kirchlichen Functionen schonöfter verwaltet, nnd erhielt vom Pastor und Superintendentenden Antrag, auch diesmal dieselben wieder zu übernehmen.Zehn Wochen habe ich den Küsterdienst in der Kirche gethannnd jede Woche einmal Schule gehaltcu iu Gemeiuschastmit den Lehrern Schulz iu Kehrbcrg, Jürgens in Klein-Woltcrsdorf und Otto in Boddin, so daß vier Tage Schulewar nnd zwei Tage ausfielen. Während ich als Vice-küster thätig war, starb auch mein alter Freund, der Alt-sitzer Kobow in Schönebeck, am 27. Juli 1866. Er warein gar einfacher und einfältiger Christ, mit dem ich mancheStunde verkehrt habe. Denn in den Tagen, wo ihn seineKräfte noch erlaubten, weiter zu gehen, besonders in den