Ihr Jamincr, Trübsal und ElendIst kommen zu einem selben End'.
Sic hat getragen Christi Joch,
Ist gestorben und lebet noch.
Noch acht Tage vor ihrem Tode sprach sie mit mirwegen ihres Begräbnisses. Ihren Nachlaß hatte sie schonfrüher durch ein gerichtliches Testament für ihre Erbengeregelt. Leider hat mir aber gerade diese Angelegenheitso viel Arbeit, Schreiberei nnd Verdroß bereitet, daß manin ähnlichen Fällen sich wirklich bedanken müßte, eine Erb-schaft anzutreten. Ich habe hier die Erfahrung machenmüssen, daß gerade diejenigen Erben, die am meisten Lastenund Mühe gehabt haben, am schlechtesten wegkommen. Nunfreilich, man lernt dadurch niit Paul Gerhard sprechen:
Was sind dieses Lebens Güter?
Eine Hand voller Sand,
Kummer der Gemüther. —
Es ließe sich über diese Sache manches Belehrendeschreiben, was in ähnlichen Fällen für Manchen ein Rath-gebcr sein möchte, ich finde aber kein Vergnügen daran, es
Fuß bekam. Um denselben zu heilen, reiste sie nach Berlin,wo sie einen Sommer bei ihrem Sohne Heinrich zubrachte.Von da kam sie durch die Verhcirathnng ihrer Tochter nachKvlrcp, wo sie dreiviertel Jahr im Hause des HerrnPrediger Gräfe eine liebevolle Ausnahme fand, bis sieendlich im Prignitzer NettnngShansc zum Ziele ihrer irdischenPilgrimschaft gelangte, nachdem sie hier, oft untcr großenSchmerzen, immer rastlos thätig noch acht Jahre ihrerTochter beigestanden hat. Sie war eine alte fromme Frau,die Gottes Wort lieb hatte nnd nie ohne Gebet ihr Tage-werk anfing, und keinen Tag ohne dasselbe beschloß. VieleSprüche und Lieder nnd Gebete wußte sie noch ans ihrerJugend. Es that ihr so wehe, als sie nicht mehr zurKirche gehen konnte, wohin sonst ihr liebster Gang gewesenwar. Nun kann sie Gott ohne Unterlaß loben nnd preisenin der seligen Ewigkeit, denn sie sehnte sich abzuscheidenund bei Christo zu sein.