Kindleiii, das seine Händchen nach dem hellerlcuchtetenChristbanm ausstreckte nnd den lieben heiligen Christ lallendbegrüßen konnte. Wir bekamen in diesem Winter ancheine Kuh zur Benutzung von den lieben Gräfes, weil unserebeiden Ziegen trocken standen; es brachte uns dies aberwenig Nutzen, weil die Kuh anch nicht sonderlich milchreichwar und die Ausgaben für Heu nnd Stroh, welches wirans Havclberg kaufen mußte», ziemlich thener zn stehenkamen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich anch Häckselschneiden, wobei meine liebe Schwiegermutter, die in wirth-schaftlichcn Sachen eine höchst praktische nnd tüchtige Frauwar, mcine Lehrmeisterin wurde. Da diese Sache sich aberals nicht rentabel erwies, so schafften wir die Kuh imFrühjahr wieder ab, bis sich eine Gelegenheit fände zumAnkauf einer Wiese, wozu die Mutter des Herrn von Rohrdem Hause bereits 500 Thaler geschenkt hatte. Und dieseGelegenheit fand sich anch bald.
Aber zuvor muß ich hier noch eines Tages erwähnen,der mir neben manchen andern unvergeßlich geblieben ist.Es war dies der 30. Mai, wo die alte Stiftskapelle inHeiligengrabe, die neu restanrirt war, eingeweiht wurde.Diese alte Kapelle, an die sich später das Cisterzienser-Juugfranen-Kloster zum Heiligengrabe anbaucte, wurdeunter Markgraf Otto dem Langen 1287 vom BischofHeinrich von Havclberg erbaut. Lange war sie zumgottesdienstlichcn Gebrauche nicht mehr zugänglich. Diedermalige Aebtissin, Fräulein von Schicrstädt, ließ sie sehrgeschmackvoll wieder herstellen und lud zn ihrer Einweihunganch Se. Majestät König Friedrich Wilhelm IV. ein, dessenGouvernante sie gewesen war. Se. Majestät hatte auchdie Einladung huldvoll angenommen nnd kam am bestimmtenTage in Begleitung Ihrer Majestät der Königin Elisabetham 30. Mai 1857 im festlich geschmückten Stifte an,begrüßt von der harrenden Menge und empfangen vonder Aebtissin und den Capitelsdamen nnd vielen ans derUmgegend eingeladenen Persönlichkeiten, darunter anch derVorsteher unseres Hauses Herr Major von Rohr in der