so daß ich noch 119 Schüler nnler mir hatte. UnserKlassenlehrer Gundermann war unnachsichtlich sirenge, ichbin aber nur einmal bestrast worden, weil ich einen Augen-blick unachtsam war. Ich suchte aber hinfort die kleinsteGelegenheit zu oermeiden, wodurch ich ihm hätte Anlaßgegeben, sein Strafamt an mir auszuüben. Ich gewannihn lieb und er erwies mir viel Liebe und Nachsicht.
Mit der Stellung als Erster in der Klasse warenaber zwei cigenthümliche Acmter verbunden. Der Primusin der Klasse war Monitor, also Gehülfe des Lehrers beimUnterrichte und Oberaufsichtsführer, also Mitwächter überdie Ruhe und Aufmerksamkeit seiner Mitschüler. AlsMonitor hatte er zu helfen beim Lese-, Schreib- undRechncnnntcrrichte und das hatte den Nutzen, daß er sichselbst in diesen Gegenständen genau zusammen nehmenmußte. Er hatte also doppelt so viel zu thnn als seineMitschüler, wozu nun noch die Correctnr der Dictirbücherkam, die dann aber auch den praktischen Nutzen hatte,daß der Monitor in der Orthographie geübt wurde. Inden übrigen Unterrichtsgcgenständen war er seinen Mit-schülern gleich, mußte aber als Obcraufsichtsfnhrer doppeltanfincrksam sein: einmal auf den Vortrag des Lehrers,zun: andern auch auf seine Mitschüler, und das war nichtso leicht. So weiß ich mich noch ans einer Stunde zuerinnern, wo der Lehrer einen Vortrag über den Walfischhielt, daß ich ihm auf seine Fragen nicht antworten konnte.Er trug es meinetwegen nochmals vor, drohte aber, michzu bestrafen, falls ich's nicht nacherzählen konnte. Ichpaßte genan ans, denn ich hatte viel zu große Furcht vorder Strafe und entging auch für diesmal derselben, da ichder Anforderung des Lehrers genügte.
Furchtsam und granlich bin ich überdem sehr gewesenin meiner Jugend nnd das habe ich auch später nicht ganzgut überwinden können. Dazu trug nun allerdings meinnervös-schwacher Körperznstand viel bei, aber auch dieGespenstergeschichten, die Andere erzählten, nnd die Lageder Wohnung meiner Eltern nicht weit vom Kirchhose;