Druckschrift 
1 (1893) Vom Jahre 1690-1866
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

79 -

sich die ersten Eindrücke meiner Jugend und noch jetzt ge-denke ich gern daran zurück, aber im Ernst des Lebensverschwinden sie wie ein Glückstraum.

Zu meinem vierten Geburtstage schenkte mir meinGroßvater, weil ich immer nach Kinderart so begierig nachBüchern war, eine Bilderfibel mit einem großen Hahn aufdem Titelblatte und eine Schiefertafel mit Griffel, undmein Vater wurde mein erster Präzeptor im Lesen undSchreiben. Es war aber nur Spielwerk und noch vierJahre gingen darüber hin, ehe es mit dem Lernen Ernstwurde. Während dieser Zeit lehrte mich mein Vater zwardie Anfangsgründe im Lesen und Schreiben, ich konnte esaber darin nicht weit bringen, weil es kein regelmäßigerUnterricht war. Meine Mutter lehrte uns die erstenGebete, wenn sie uns zu Bette brachte, und den erstenEindruck von Gottes heiligen Worte bekam ich, als mirVater einmal die Geschichte vom Sündenfall der erstenMenschen laut vorlas, aber oft geschah das nicht. Tisch-gebet und tägliches Lesen der heiligen Schrift gehörte leidernicht zn nnserm Familienleben, nnd das ist immer zn be-klagen; wo dies fehlt, da fehlt des rechten Lebens Kernund Stern. Und daß anch ein Kinderherz einen Zug dar-nach hat, beweist der Umstand, daß der mächtige Schallder Glocken und das liebliche Getön der Orgel eine solcheMacht ans mein Herz ausübten, daß ich mit meinerSchwester, mein kleines Gebetbuch unterm Arm, welchesich als Erbtheil von meinem Großvater bekommen hatte,in die Kirche ging und tapfer mit sang, obwohl ich damalsnoch keinen Buchstaben lesen konnte.

Da ich der älteste unter meinen Geschwistern war, sowurden die jüngcrn meiner Pflege und Obhut anvertraut,während meine Eltern dem Erwerb des täglichen Arodesnachgingen, und außerdem hatte ich anch noch die kleiner»häuslichen Arbeiten zu besorgen, so daß die Spielzeit nunschon von selbst eingeschränkt wurde.

Von meinem achten Lebensjahre bis zum elften besuchteich die Privatschule des Lehrers Bünder am Frauenberge,