Lehre. Ein halb Jahr war er bei demselben, da wurde erheftig krank an den weißen Frießeln, daß er zu Hause ge-bracht werden mußte. Er war nachher nicht wieder zubewegen, zu seinem Meister zu gehen und halte sich auchschon entschlossen, da auch der Arzt hierzu rieth, eine andereBeschäftigung zu ergreifen, als ihn sein JugendfreundTheodor Degenhardt, der ebenfalls die Schuhmachereilernte und einen tüchtigen Meister hatte, wieder dazu brachtebei demselben Meister Wagner in die Lehre zu treten. Diebeiden lebten als Brüder und wetteiferten in der Arbeit,so daß der Meister seine große Freude an ihnen hatte undhernach äußerte? solch ein Paar Lehrlinge hätte er nochnicht gehabt. Nm sich die nöthigen Werkzeuge anzuschaffen,hatten sie einen cigenthümlichcn Sparvcrcin unter sich ge-gründet. Zum Frühstück bekam nämlich jeder 6 Pfennige,um sich dafür Weißbrod zu kaufen. Sie gingen aber alleAbende nach Hanse und nahmen sich von dort ein StückSchwarzbrod mit, das Geld aber thaten sie zusammen, sodaß sie alle Monate einen Thalcr sparten. Dafür kauftensie sich erst alles Handwcrkzeng und später jeder einen neuenAnzug. Da Theodor ein Jahr früher auslernte, so blieber August zu lieb noch ein ganz Jahr bei dein Meister undwollten sie dann beide mit einander ans die Wanderschaftgehen, woraus aber nichts wurde, da der Theodor alsSoldat eingezogen wurde.
Im Jahre 1853 machte er seine Gesellenprüfung, be-stand sie gut und arbeitete nachher noch fünf Jahre alsGeselle bei einigen Meistern. Daun zog er zu meinenEltern und richtete dort seine Wcrkstätte ein. Am 22.März 1858 machte er seine Meisterprüfung und in dem-selben Jahre vcrheirathete er sich mit Friederike Stange,ältesten Tochter des städtischen Abträgcrs Carl Stange zuNordhauscn, geb. am 21. Dcc. 1836.
Nach dem Tode unseres Vaters bewarb er sich nmdessen Stelle. Der Gemeindekirchenrath war auch bereitsdamit einverstanden, doch bedurfte es noch der Bestätigungder Königlichen Regierung, die aber ihre Zustimmung erst